Amin Maalouf : Das erste Jahrhundert nach Béatrice
Der Ich - Erzähler ist Insektenforscher, eher menschenscheu und beobachtend. Als er während eines Kongreß - Aufenthaltes in Ägypten auf Skarabäusbohnen stößt, die angeblich männlichen Nachwuchs garantieren, ahnt er nicht, welchen Einfluß sie auf den Verlauf der Geschichte nehmen werden. So landen die Bohnen zunächst unbeachtet in einer Schublade und werden erst wieder ans Tageslicht befördert, als die Ehefrau Clarence bei Recherchen in Indien auf ein ähnliches Mittel stößt. Nur findet sie die Bohnen in einem Landstrich, in dem die Rate von Geburten weiblicher Kinder signifikant zurückgegangen waren. Intensivere Nachforschungen weisen zunächst auf Abtreibungskliniken, die nur männlichen Nachwuchs überleben lassen, doch auch aus anderen Weltgegenden, vornehmlich in Entwicklungsländern häufen sich Beobachtungen über ein zunehmendes Mißverhältnis zwischen weiblichen und männlichen Neugeborenen. Und auch in den Industriestaaten weisen erste Erhebungen auf eine Verschiebung der statistischen Relation hin. In demselben Jahr, in dem die Tochter des Ich - Erzählers, Béatrice, zur Welt kommt, beginnt eine neue Zeitrechnung für den Erzähler und ebenso für die Welt : das erste Jahrhundert nach Béatrice, in dem die Welt unaufhaltbar auf den Abgrund zutreibt....
Dieser Roman ist eine Mischung aus Science Fiction und demographischer und politischer Fakten, eine nicht von der Hand zu weisende Interpolation möglicher entwicklungen. Archaisches Denken, so der Stammhalterkult, der nicht nur in Entwicklungsländer beschränkt ist, westliche Pragmatik und ein nicht zu bremsender Geschäftstrieb treffen in dieser Utopie aufeinander und produzieren ein nahezu tödliches Chaos. Maalouf benutzt das Buch jedoch auch dazu, ein grundsätzliches Nachdenen über den industrialisierten Norden und den wirtschaftlich schwachen Süden zu befördern. Zwar wirkt das Buch stellenweise ein wenig atemlos, denn auf 211 Seiten werden 40 Jahre einer - fiktiven - Geschichte und eines Lebens abgehandelt, doch fesselt das Thema, hält der Aufbau ausreichend Spannungsbögen bereit, um das Buch als eine lohnende und unterhaltsame Lektüre gern zu lesen. Dieser Roman ist weitaus mehr als gängige Sf - Literatur und dürfte auch andere Leserkreise ansprechen.
Dieser Roman ist eine Mischung aus Science Fiction und demographischer und politischer Fakten, eine nicht von der Hand zu weisende Interpolation möglicher entwicklungen. Archaisches Denken, so der Stammhalterkult, der nicht nur in Entwicklungsländer beschränkt ist, westliche Pragmatik und ein nicht zu bremsender Geschäftstrieb treffen in dieser Utopie aufeinander und produzieren ein nahezu tödliches Chaos. Maalouf benutzt das Buch jedoch auch dazu, ein grundsätzliches Nachdenen über den industrialisierten Norden und den wirtschaftlich schwachen Süden zu befördern. Zwar wirkt das Buch stellenweise ein wenig atemlos, denn auf 211 Seiten werden 40 Jahre einer - fiktiven - Geschichte und eines Lebens abgehandelt, doch fesselt das Thema, hält der Aufbau ausreichend Spannungsbögen bereit, um das Buch als eine lohnende und unterhaltsame Lektüre gern zu lesen. Dieser Roman ist weitaus mehr als gängige Sf - Literatur und dürfte auch andere Leserkreise ansprechen.
tinius - 11. Aug, 02:49







