Eli Amir : Der Taubenzüchter von Bagdad
Kabi, etwa 16 Jahre alt, lebt in einem jüdischen Viertel von Bagdad. Sein Leben verläuft zunächst recht unbeschwert, und nur verschwommen erinnert er sich an die Vorgänge während der Farhud. Seine Familie, seine Nachbarn haben zum Teil gegensätzliche Positionen, nicht nur persönlich, sondern auch, was ihr Verhältnis zum Irak und zu Israel betrifft. Da ist zum einen der "Große Imari", der Kabis Vater und den Onkel um ihren Erbteil gebracht hat, sodaß diese den Kontakt vollständig abgebrochen haben. Nur Kabi freundet sich mit dem Sohn des so Gehassten an. Der "Große Imari" ist reicher Unternehmer, Vertrauter von muslimischen Regierungsmitgliedern und daher nicht ganz ohne Einfluß. Kabis Vater und Onkel dagegen arbeiten im Geheimen für den zionistischen Untergrund, nicht zuletzt, weil sie weiteren Progromen nicht hilflos ausgeliefert sein wollen. Sie propagieren die Auswanderung nach Israel und beschaffen gleichzeitig Waffen, um Widerstand gegen das Regime leisten zu können. Anders Salim Effendi, ein Cousin des Vaters und ein Lehrer Kabis : Er hat sich dem kommunistischen Untergrund angeschlossen, hat eine Beziehung zu einer englischen Lehrerin, auch wenn er unglücklich in eine Bauchtänzerin verliebt ist. Doch Salim Effendi muß schnell bemerken, daß er als Jude auch bei den Kommunisten nicht gern gesehen ist und daß Parolen von der Gleichberechtigung der Frauen im arabisch geprägten Parteikader kaum mehr als Lippenbekenntnisse sind. Schließlich findet sich noch Abu Edouard, der Taubenzüchter von Bagdad, Vater von Amira, einer recht unabhängig denkenden Teenagerin. Er sieht sich als Staatsbürger Iraks und glaubt an ein mögliches friedliches Zusammenleben von Moslems und Juden. Sein Hobby, die Taubenzucht, ist ein eher muslimisches, seine Werte und Vorstellungen unterscheiden sich kaum von denen der arabischen Welt. Als Kabis Onkel Hizkel wegen seiner zionistischen Aktivitäten verhaftet wird und zunächst unauffindbar bleibt, gerät die vorher beschauliche Welt Kabis in Bewegung. Er fühlt sich von seiner - recht jungen - Tante sexuell angezogen, begleitet sie auf ihren Gängen zum Anwalt, vor das Gefängnis. Und als Teejunge verkleidet und mit nicht geringen Bestechungsgeldern ausgestattet, gelingt es ihm, beauftragt vom Vater, Kontakt zu seinem Onkel aufzunehmen. Der ist gefoltert worden und mit vielen anderen in einer Zelle eingepfercht. Auch der kommunistische Führer wird gefangen genommen und am nächsten Tag hingerichtet. Um seinen Bruder vor der Hinrichtung zu bewahren, überwindet sich Kabis Vater sogar und nimmt den Kontakt zum "Großen Imari" auf, der allerdings nur sehr wenig erreicht. Zeitgleich bereiten die Zionisten die Auswanderung vor, denn der Irak gestattet dann doch die Ausreise. Allerdings muß jegliches Eigentum zurückgelassen werden, die Ausreisewilligen werden als nahezu rechtlos angesehen, und die im Gegenzug einwandernden Palästinenser übernehmen nach und nach die jüdischen Viertel. Die Abholung durch israelische Flugzeuge läuft nur schleppend an.....
Wie man aus meiner etwas ausführlicheren Darstellung des geschichtlichen Hintergrunds schließen kann, fehlt in diesem Buch eine kurze und übersichtliche Darstellung der historischen Fakten, die man dem lobenswerterweise vorhandenen Glossar hätte beifügen sollen, denn manchmal fällt es allzu schwer, sich als Leser ein Gesamtbild zu machen. Es ist aber ein Versäumnis des - deutschen Lektorats - nicht des Autors, denn in Israel dürfte das Geschehen um die Einwanderung der irakischen Juden zumindest grundsätzlich präsent sein.
Dem Autor ist es dennoch gelungen, die zunehmende Bedrohung ebenso wie die unterschiedlichen Positionen zum Irak und zum Zionismus auszugestalten. Daß die Lektüre aber fesselt oder ein emotionales Miterleben gestattet, wage ich, anzuzweifeln. Interesse dürfte überwiegen. Einen orientalischen Zauber oder eine magische Welt sind trotz gegenteiliger Ankündigung des Verlages ebenfalls nicht zu erwarten, dafür ein realistisches, interessantes Bild über das Leben der Juden im Irak und ihren Neuanfang in Israel. Der taubenzüchter von Bagdad des Titels ist nicht die gleichnamige Person, sondern ein Sinnbild des Zionismus im Irak : Er pfeift und der Schwarm ( Tauben) kehrt zurück in den Schlag.....
Wie man aus meiner etwas ausführlicheren Darstellung des geschichtlichen Hintergrunds schließen kann, fehlt in diesem Buch eine kurze und übersichtliche Darstellung der historischen Fakten, die man dem lobenswerterweise vorhandenen Glossar hätte beifügen sollen, denn manchmal fällt es allzu schwer, sich als Leser ein Gesamtbild zu machen. Es ist aber ein Versäumnis des - deutschen Lektorats - nicht des Autors, denn in Israel dürfte das Geschehen um die Einwanderung der irakischen Juden zumindest grundsätzlich präsent sein.
Dem Autor ist es dennoch gelungen, die zunehmende Bedrohung ebenso wie die unterschiedlichen Positionen zum Irak und zum Zionismus auszugestalten. Daß die Lektüre aber fesselt oder ein emotionales Miterleben gestattet, wage ich, anzuzweifeln. Interesse dürfte überwiegen. Einen orientalischen Zauber oder eine magische Welt sind trotz gegenteiliger Ankündigung des Verlages ebenfalls nicht zu erwarten, dafür ein realistisches, interessantes Bild über das Leben der Juden im Irak und ihren Neuanfang in Israel. Der taubenzüchter von Bagdad des Titels ist nicht die gleichnamige Person, sondern ein Sinnbild des Zionismus im Irak : Er pfeift und der Schwarm ( Tauben) kehrt zurück in den Schlag.....
tinius - 12. Aug, 23:00







