Pablo De Santis : Die Fakultät
Als Esteban Miró, der Ich - Erzähler, im "Institut für Nationale Literatur" zu arbeiten beginnt, hat er dafür vor allem zwei Gründe : zum einen läßt ihm die Stelle als Archivar und Bibliothekar genügend Zeit, für seine Doktorarbeit über einen recht obskuren Schriftsteller zu recherchieren, zum anderen kann er dank des Gehaltes nun endlich aus der mütterlichen Wohnung ausziehen. Allerdings verdankt er seine Anstellung vor allem der Freundschaft seiner Mutter mit dem Institutsleiter Conde, und genau das stellt den Protagonisten im Verlauf des Romans vor ungeahnte Schwierigkeiten. Conde hat sich der Erforschung des Lebens und der Werke des Schriftstellers Homero Brocca gewidmet, von dem aber nur eine Erzählung in unzähligen Varianten existiert. Seine anderen Bücher sind spurlos verschwunden, und nur Conde hat scheinbar einige Werke des durch ein Schiffsunglück getöteten Autors gelesen. Recht bald hat er Miró als Helfer rekrutiert, der neben seiner Arbeit in dem düsteren und halb zerfallenen Institutsgebäude nun auch mit der Erstellung der möglichen Urfassung beschäftigt ist. Doch Conde ist nicht der Einzige, der sich mit Brocca und seinem Werk auseinandersetzt. Zwei weitere Professoren, Novario und Selva Granados, letztere hat einen dem "Depressionismus" zuzurechnenden (ziemlich schlechten) Gedichtband veröffentlicht, konkurrieren um die wissenschaftliche Meinungsführerschaft und um die Hilfe des Bibliothekars. Zunächst beweist dieser seine Loyalität gegenüber dem mit seiner Mutter befreundeten Leiter, doch der Streit wird zunehmend erbitterter. Und bald gibt es einen Toten. Miró beginnt, Nachforschungen anzustellen, und stößt auf Unglaubliches. Und das ist nicht allein das vollkommen ungeordnete Bücherlabyrinth im vierten Stock des Universitätsgebäudes....
Dieser Roman, der in Deutschland vor allem als Kriminalroman wahrgenommen wurde, ist ein komplexes und äußerst vielschichtiges Gebilde. So finden sich in der Kulisse und der Atmosphäre enge Bezüge zur "Gothic Novel", während der formale Ablauf der Handlung an die klassischen englischen Kriminalromane erinnert. Aber auch Kafka und vor allem Jorge Luis Borges haben Pate gestanden. Die kriminalistische Handlung und der erzähltheoretische Hintergrund werden durch eine recht böse akademische Satire ergänzt und pointiert, sodaß sich dem Leser eine spannende, atmosphärisch dichte und nicht humorlose Lektüre bietet, die ihn gleichzeitig fesseln und amüsieren dürfte, jedenfalls dann, wenn er den Windungen und Volten der literarischen Theorie folgen mag. Mir hat das Buch Spaß gemacht, und wie bei jedem guten Kriminalroman war ich durchaus begierig, die Auflösung der kunstvollen literarischen Konstruktion zu erfahren.
Dieser Roman, der in Deutschland vor allem als Kriminalroman wahrgenommen wurde, ist ein komplexes und äußerst vielschichtiges Gebilde. So finden sich in der Kulisse und der Atmosphäre enge Bezüge zur "Gothic Novel", während der formale Ablauf der Handlung an die klassischen englischen Kriminalromane erinnert. Aber auch Kafka und vor allem Jorge Luis Borges haben Pate gestanden. Die kriminalistische Handlung und der erzähltheoretische Hintergrund werden durch eine recht böse akademische Satire ergänzt und pointiert, sodaß sich dem Leser eine spannende, atmosphärisch dichte und nicht humorlose Lektüre bietet, die ihn gleichzeitig fesseln und amüsieren dürfte, jedenfalls dann, wenn er den Windungen und Volten der literarischen Theorie folgen mag. Mir hat das Buch Spaß gemacht, und wie bei jedem guten Kriminalroman war ich durchaus begierig, die Auflösung der kunstvollen literarischen Konstruktion zu erfahren.
tinius - 11. Aug, 01:54







