Fatos Kongoli : Die albanische Braut
Auf zwei Zeitebenenen läßt Kongoli seinen Protagonisten Thesar Lumi sein Leben erzählen : Als Kind in den sechziger Jahren erlebt er schon früh die Machtmechanismen und vor allem die ängstliche Anpassung an Überwachung und Drangsalierung. Sein eigener Vater beginnt, ihn zu schlagen, um einen Konflikt mit dem Schuldirektor zu vermeiden. Thesar rächt sich, indem er den Hund der Tochter des Direktors, Vilma, vergiftet. Mithilfe eines einflußreichen Lokalpolitikers setzt er seine schulische Ausbildung in Tirana fort, was umso notwendiger scheint, da sein Onkel aus Albanien geflohen ist und das Bekanntwerden dieser Tatsache jede weitere Ausbildung gefährdet oder sogar unterbunden hätte. In Tirana beginnt er ein Studium. Und hier lernt er auch Ladi kennen, den Sohn eines wichtigen Politikers. Mit dessen älterer Cousine Sonja, einer verwitweten Architektin und Mutter eines kleinen Kindes, beginnt er eine intensive und leidenschaftliche Liebesbeziehung. Jedoch hat er einen Nebenbuhler, den Sohn eines Ministers, der bei der Geheimpoliziei arbeitet und nun versucht, Thesar Lumi unter Druck zu setzen. Nur Ladi, bzw. sein Vater können die beiden und ihre Beziehung eine Zeitlang schützen. Mit der Entmachtung und Erschießung von Ladis Vater jedoch ändert sich alles : Ladi erhängt sich, Sonja wird in ein Internierungslager deportiert und Thesar wird von der Universität verwiesen. Zurück in seiner heimatlichen Kleinstadt arbeitet er in einer Strafbrigade der dortigen Zementfabrik. Als es ihm gelingt, eine Arbeit im Labor der Fabrik zu erhalten, trifft er wieder auf Vilma, die Tochter seines ehemaligen Schuldirektors. Die hat sich in ihn verliebt, doch Thesar hat den Verlust von Sonja noch nicht überwinden können und verhält sich eher abweisend. Dies verhindert jedoch nicht, daß ein jugendlicher Raufbold und Bandenführer seine Ansprüche auf Vilma sehr handgreiflich deutlich macht.....
Im Original heißt dieser Roman treffender als in der deutschen Übersetzung "Der Verlorene". Es ist ein politischer Roman, weniger eine dichte Beschreibung des alltäglichen Lebens in Albanien unter Enver Hodscha. So bleiben manche Personen - etwa Ladi - ein wenig blaß. Die Atmossphäre der allgegenwärtigen Bespitzelung, des Machtmißbrauchs jedoch ist dicht und zwingend dargestellt. In Albanien mischten sich archaische Bräuche und Ehrbegriffe mit den marxistischen Mechanismen der Moderne, und diese unheilvolle Mixtur zerstörte das Leben des Protagonisten und das der meisten seiner Freunde. Mit diesem bedrückenden Roman bezieht Kongoli eine eindeutige Stellung zu den politischen Verhältnissen in Albanien während der kommunistischen Herrschaft, etwas, was sein bekannterer Landsmann Ismail Kadare nie gemacht hat.
Im Original heißt dieser Roman treffender als in der deutschen Übersetzung "Der Verlorene". Es ist ein politischer Roman, weniger eine dichte Beschreibung des alltäglichen Lebens in Albanien unter Enver Hodscha. So bleiben manche Personen - etwa Ladi - ein wenig blaß. Die Atmossphäre der allgegenwärtigen Bespitzelung, des Machtmißbrauchs jedoch ist dicht und zwingend dargestellt. In Albanien mischten sich archaische Bräuche und Ehrbegriffe mit den marxistischen Mechanismen der Moderne, und diese unheilvolle Mixtur zerstörte das Leben des Protagonisten und das der meisten seiner Freunde. Mit diesem bedrückenden Roman bezieht Kongoli eine eindeutige Stellung zu den politischen Verhältnissen in Albanien während der kommunistischen Herrschaft, etwas, was sein bekannterer Landsmann Ismail Kadare nie gemacht hat.
tinius - 11. Aug, 21:19






