Luigi Malerba verstorben
Mit Luigi Malerba (eigentlich : Luigi Bonardi) ist im Alter von 81 Jahren einer der international bekanntesten italienischen Autoren verstorben. 1927 in Berceto in der Nähe von Parma geboren, studierte Malerba zunächst Jura. In den fünfziger Jahren war er verantwortlicher Redakteur für das Kinomagazin "Sequenze", außerdem arbeitete er als Drehbuchautor mit dem dem neorealismo zuzurechnenden Regisseur Alberto Lattuado zusammen. In den sechziger Jahren leitete er eine Zeitlang eine Werbeagentur. 1963 debütierte Malerba mit seinen Erzählungen "Die Entdeckung des Alphabets". Außerdem gehörte er zu den Mitbegründern einer Gruppe von Intellektuellen und Schriftstellern - der Gruppo 63 - zu der auch Umberto Eco gehörte. Dieser Kreis formulierte einen starken Gegensatz zur bestehenden Gesellschaft und forderte ein, tradierte literarische Formen zu überschreiben, um, wenn eine Überwindung der kapitalistischen Ordnung in der Realität unmöglich sei, deren Analogien in der Literatur auf sprachlicher und formaler Ebene vernichten. Zum Vorbild ihrer experimentellen Arbeiten nahmen sie sich den Schriftsteller Carlo Emilio Gadda, der Ähnliches bereits erfolgreich praktizierte. Eine der Grundthesen der Gruppe war, daß der Autor hinter seinem Text zurücktreten müsse und sich sein Werk allein am Objekt orientieren müsse. 1966 erschien sein Roman "Die Schlange", zwei Jahre später und kurz bevor die Gruppo 63 auseinanderbrach der Roman "Salto Mortale", für den Malerba mit dem Prix Médicis ausgezeichnet wurde. Malerbas Erzählstil blieb immer dem eher Experimentellen verhaftet. Er spielte mit Erzähl - und Realitätsebenen, schuf komplizierte Beziehungsgeflechte seiner Personen untereinander, um damit die verschieden interpretierbare Wirklichkeit abzubilden und bis zur Auflösung infrage zu stellen. Sein literarisches Spektrum reichte von Kinderbüchern über eher anekdotenhaft kurze Texte wie "Die nachdenklichen Hühner" bis hin zum historischen Roman wie etwa "Das Griechische Feuer" oder "Die nackten Masken". Ein weiteres Merkmal vor allem der späteren Romane waren immer deutlicher werdende groteske elemente und Überzeichnungen. Thematisch setzte er sich immer wieder mit den Erscheinungen der Macht und deren Korruption auseinander. In deutscher Sprache sind noch einige der von ihm verfassten Bücher lieferbar.
tinius - 9. Mai, 02:03







Trackback URL:
http://readingease.twoday.net/stories/4917036/modTrackback