Marcel Reich - Ranicki erhält den Henri - Nannen - Preis
Am 9. Mai wird Marcel Reich - Ranicki den mit insgesamt 30.000 Euro, verteilt auf fünf Kategorien, dotierten Henri - Nannen - Preis für sein journalistisches Lebenswerk entgegennehmen können. Reich - Ranicki habe durch seine entschiedenen Kritiken, seine leidenschaftlich geführten Debatten und seinen passionierten Einsatz für die Literatur und ihre humanitäre Kraft Maßstäbe gesetzt - auch für den Qualitätsjournalismus in Deutschland, begründete der Vorsitzende der Jury und Chefredakteur des Magazins Stern Thomas Osterkorn die Vergabe. Laudatorin wird Bundeskanzlerin Angela Merkel sein. 1920 im polnischen Woclawek geboren zog er mit seiner Familie nach Berlin und machte dort das Abitur. Ein Studium blieb ihm allerdings als Jude versagt. Während seine Eltern im Konzentrationslager getötet wurden, überlebte Marcel Reich - Ranicki im Warschauer Ghetto. 1943 konnte er in den Untergrund flüchten. Nach Kriegsende wurde er Diplomat in London, später Lektor und freier Schriftsteller in Warschau. 1958 kam er nach Deutschland und befasste sich hauptsächlich mit pointierten Literaturkritiken. Von 1973 bis 1988 leitete er das Ressort Literatur der FAZ und prägte maßgeblich die literarische Landschaft, zumal seine teils scharfen Kritiken intensive Debatten in Gang setzten, etwa als er Günter Grass' Roman "Ein weites Feld" heftigst zerriß. Einem breiten Publikum wurde er duch die Fernsehsendung "Das Literarische Quartett" bekannt, die neben intensiven Diskussionen über Bücher einen hohen Unterhaltungswert bot, der sich vor allem aus den Konflikten der ständigen Rezensenten untereinander und der Selbstdarstellung Reich - Ranickis herleitete. Im Alter von 87 Jahren verfaßt er immer noch Rezensionen und eine Kolumne in der FAZ. Mit der Autobiographie "Mein Leben" wurde er selbst schriftstellerisch aktiv. Andere Buchprojekte, bei denen er als Herausgeber fungierte, widmeten sich der Erstellung eines deutschen Kanons der Literatur.
tinius - 5. Mai, 23:03







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