"Lettra" hatte mit Michel Friedmann, Bärbel Schäfer und Nils Bokelberg prominente Moderatoren gewinnen können -
Ja, und alles ausgewiesene Kenner der Literatur!
Das ! hat ja keiner behauptet. ;) Aber bei solch Konkurrenz wie Frau Heidenreich oder Denis Scheck sehe ich zumindest die Wirtschaftlichkeit nicht gefährdet. ;)
Ich versuche die Antwort zu verstehen. Tue eich aber nicht. Finden Sie die beiden auch inkompetent? Denis Scheck gibt sich für meinen Geschmack etwas zu arrogant, aber er hat vor Jahren mal ein sehr gutes Buch über amerikanische Autoren geschrieben. Da hat er noch was gut. Frau heidenreich hat einfach einen anderen Geschmack als ich. Und Geschmack scheint bei ihr wichtig zu sein. Argumente höre ich eher seltener.
Herr Scheck poltert mir ein wenig zu undifferenziert herum. Zudem habe ich einmal ein Problem mit einem Nachwort aus seiner Feder gehabt, in dem es mindestens so schien, als ordne er F. Scott Fitzgerald die "Tales of the Jazz - Age" / "Geschichten aus dem Jazz - Zeitalter" zu, die nun aber definitiv aus der Feder Ring Lardners stammen. Möglicherweise bezog er sich auch nur auf die Zeit der Handlung, dann aber hätte er das etwas differentierter darstellen müssen. Frau Heidenreich hat, wenngleich ich ihr Belesenheit und Leseverständnis zubillige, ein falsches Konzept und huscht ziemlich oberflächlich, eher werbend als in Auseinandersetzung mit den Texten, über viel zu viele Bücher in viel zu kurzer Zeit hinweg, als daß das, was sie da tut, Substanz haben könnte. Geschmack ist immer ein Faktor - auch ich wähle meine Lektüre nach geschmacklichen (Vor)Urteilen, versuche aber nach dem Lesen inzwischen recht ausführlich zu begründen, ob und warum ein Buch meine Erwartungen getroffen oder enttäuscht hat, ob und wie es funktioniert oder eben nicht. Ich muß zugeben, zu Beginn meiner Bloggerzeit war ich auch eher kurzgefasst. Aber mit der Zeit fand ich es immer wichtiger, einem Leser meines Blogs möglichst viel an die Hand zu geben, damit er selbst anhand von verschiedenen Aspekten entscheiden kann, ob ihm ein Buch liegen könnte oder nicht. Das heißt aber nicht, daß ich mich einem professionellen Kritiker gleichrangig fühle. Eher bin ich vermutlich zu unkritisch, zu sehr ehemaliger Buchhändler und begeisterter Leser - aber immerhin vermittele ich Informationen zu den Büchern, die andere als Grundlage für ihre Auswahl nutzen können.
Beim literarischen Quartett habe ich auch schon öfter beobachtet, dass Heidenreich vor allem ihr eigener Geschmack leitet... was ja auch nicht so schlimm sein muss..., dabei scheint Lesbarkeit ein großes Kriterium zu sein. Was manchmal auch unangenehm auffallen kann, dass sie sich selber oftmals als zu dumm hinstellt, wenn ihr ein Autor unlesebar erscheint. Sie sollte einfach begründen was ihr daran unlesbar erscheint, viele kriegen solche oft geäußerten Aussagen in den falschen Hals.
Wobei ihr Kriterium der Sprache manchmal zu einfach ist, da gefällt ihr die "altmodische" Sprache Handkes nicht und führt das Beispiel "die Heischende" an. Und meint, dass das ein 16jähriger doch nicht verstehen würde. Ich denke, da unterschätzt sie tatsächlich die Leserschaft.
Scheck war ein- oder zweimal Juror in Klagenfurt und selbst für die anderen leicht blasierten Juroren eine Zumutung. Für die Schriftsteller erst recht. Zugegeben: Er hat Ahnung von amerikanischer Literatur.
Seine Sendung ist m. E. eine reine Werbesendung. Den Autoren, deren Bücher er vorstellt, schmiert er derart liebedienerisch um den (oft genug nicht vorhandenen) Bart, dass es schon peinlich ist. Neulich z. B. bei Frau Funke, die er nur aufsuchte, um von ihr einen Literaturtip zu bekommen - in der dann folgenden "Spiegel"-Bestsellerliste, die er mit martialischem Vergnügen intoniert, kamen ihre Bücher natürlich gut weg.
Frau Heidenreich ist als Kritikerin nicht satisfaktionsfähig. Ihr oberflächliches, einfaches Vokabular, den Frauenzeitschriften der 70er Jahre abgekupfert, mag ZDF-kompatibel sein, hat aber viel zu wenig Substanz. Sie hält die Bücher in die Kamera wie jemand, der befürchtet im nächsten Moment tot umzufallen und dann noch eine Buchempfehlung vergessen zu haben. Heidenreichs Reich sind Prothesen für Zahnarztgattinnen und deren kaffeekränzelnde Entourage.
Leider gibt es kaum Sendungen, die vom Konzept der reinen Werbemaschinerie abweichen. Und so trauere ich dem "Literarischen Quartett" ziemlich hinterher, denn da hat man immer etwas an wirklicher Orientierung mitnehmen können, selbst wenn einem das Eitelkeitsgebalze fast jedes Protagonisten auf den Geist ging. Einigermaßen akzeptabel finde ich noch den Literaturclub auf 3sat, den ich allerdings, bedingt durch die Sendezeit, selten schauen kann. Aber auch dessen Hochzeiten scheinen vorbei. Ansonsten : vom altehrwürdigen Bücherjournal im NDR über Lesen! mit Heidentreich und Wickerts und Schecks Personality - Shows bis hin zum absoluten Tiefpunkt "Fröhlich lesen" empfinde ich alles als Dauerwerbesendung. Nur ab und an genieße ich in der 3sat - Kulturzeit ein vereinzeltes Gespräch über ein Buch. Aber das ist viel zu selten....
@AiHua
Den Literaturclub macht die Heidenreich schon sehr lange nicht mehr; sie war letztes Mal nur Gast.
@tinius
Ja, der Literaturclub hat an Reiz verloren; schon seit Willemsen, der seltsam kühl und arg überintellektualisiert daherkam. Radisch redet und redet und redet.
Seit Isenschmid und Ruoss weg sind, ist die Sendung schwächer geworden, da die Reflexionsfähigkeit der Diskutanten (allen voran Frau Carduff) arg beschränkt ist. Ich fand Cohn-Bendits Moderation erfrischend. Er stand zu seinen Fehlern und seinen manchmal arg exotischen Urteilen, ohne verbissen zu sein.
Lustig. Ich laß eben "Tales of the Jazz - Age" und dachte häh, das ist doch Ring Lardner. Da ich mich vielleicht für einen der wenigen halte, der den gut findet oder überhaupt nur kennt, verwirrte es mich. Bis ich weiter las. Freut mich sehr. Ring Lardner, der sollte mal wieder entdeckt werden.
In Deutschland ist recht wenig übersetzt - immerhin gibt es mit "Das Liebesnest und andere Erzählungen" wieder einen lieferbaren Band mit Stories, wobei ich nicht weiß, inwieweit er sich mit den "Geschichten aus dem Jazz - Zeitalter" überschneidet, die inzwischen vergriffen sind. Ich bin gerade auf die Übersetzung eines Romans gestoßen - von 1962... ;) Im Englischen sieht es auch nicht viel besser aus, Baseballstories, ein autobiographischer Band und eine vergriffene Zealtausgabe des Romans, nebst einem Sachbuch über Baseball.
Ich habe die alte Diogenes-Ausgabe der Geschichten und eine Reclam-Ausgabe (Ost) von Das Liebesnest. Das Liebesnest ist nur eine Teilauswahl plus eine zusätzliche: Carmen. Champion und andere Erzählungen dürfte auch die gleiche Auswahl sein.
Ja, und alles ausgewiesene Kenner der Literatur!
Wobei ihr Kriterium der Sprache manchmal zu einfach ist, da gefällt ihr die "altmodische" Sprache Handkes nicht und führt das Beispiel "die Heischende" an. Und meint, dass das ein 16jähriger doch nicht verstehen würde. Ich denke, da unterschätzt sie tatsächlich die Leserschaft.
Seine Sendung ist m. E. eine reine Werbesendung. Den Autoren, deren Bücher er vorstellt, schmiert er derart liebedienerisch um den (oft genug nicht vorhandenen) Bart, dass es schon peinlich ist. Neulich z. B. bei Frau Funke, die er nur aufsuchte, um von ihr einen Literaturtip zu bekommen - in der dann folgenden "Spiegel"-Bestsellerliste, die er mit martialischem Vergnügen intoniert, kamen ihre Bücher natürlich gut weg.
Frau Heidenreich ist als Kritikerin nicht satisfaktionsfähig. Ihr oberflächliches, einfaches Vokabular, den Frauenzeitschriften der 70er Jahre abgekupfert, mag ZDF-kompatibel sein, hat aber viel zu wenig Substanz. Sie hält die Bücher in die Kamera wie jemand, der befürchtet im nächsten Moment tot umzufallen und dann noch eine Buchempfehlung vergessen zu haben. Heidenreichs Reich sind Prothesen für Zahnarztgattinnen und deren kaffeekränzelnde Entourage.
Den Literaturclub macht die Heidenreich schon sehr lange nicht mehr; sie war letztes Mal nur Gast.
@tinius
Ja, der Literaturclub hat an Reiz verloren; schon seit Willemsen, der seltsam kühl und arg überintellektualisiert daherkam. Radisch redet und redet und redet.
Seit Isenschmid und Ruoss weg sind, ist die Sendung schwächer geworden, da die Reflexionsfähigkeit der Diskutanten (allen voran Frau Carduff) arg beschränkt ist. Ich fand Cohn-Bendits Moderation erfrischend. Er stand zu seinen Fehlern und seinen manchmal arg exotischen Urteilen, ohne verbissen zu sein.