Peter Schneider : Eduards Heimkehr
Seit Anfang der achtziger Jahre lebt der Genetiker Eduard Hoffmann in Kalifornien. Er ist mit Jenny, einer deutsch - italienischen Jüdin verheiratet, hat drei Kinder. Eine Anstellung in einem Institut in Berlin - Buch veranlaßt ihn, nach Berlin zurückzukehren. Außerdem hat er erfahren, daß seinem Großvater ein Haus im Prenzlauer Berg gehört hatte, daß nun im Rahmen der Restitutionsregelungen seinem Bruder und ihm zufallen soll. Eduards Aufgabe ist es, die Eigentumsübertragung abzuwickeln und einen vorteilhaften Verkauf zu organisieren. Seine Rückkehr nach Berlin fällt alles andere als erfreulich aus : alles hat sich verändert, seine Freunde, die Kneipen, die Menschen, das gesamte Klima der Stadt. Er muß feststellen, daß das Haus inzwischen besetzt wurde, die Kosten für Wasser oder Strom aber ihm berechnet werden. Hilfe findet er bei einem Anwalt, mit dem er früher befreundet gewesen ist. Der hat sich vom Achtundsechziger zu einem fülligen, auf dem Boden des Gesetzes stehenden Anwalt verändert, der ihm recht trocken die rechtlichen Möglichkeiten und Grenzen seiner Lage aufzeigt. Nur das Verhältnis zu Theo, einem Dramatiker und Dichter aus der ehemaligen DDR scheint noch einigermaßen ungetrübt. Doch der wird sich im Verlaufe des Romans umbringen, um dann sowohl von Linken wie Rechten als Kämpfer für ihre Sache reklamiert zu werden. Eduards Besichtigung des ihm gehörenden Eigentums endet mit Schüssen auf ihn, die Polizei sieht sich nicht in der Lage, ihm zu helfen. Als ihm der befreundete Anwalt einen potentiellen Käufer vermittelt, rückt der gleich mit einem Schlägertrupp an, und beinahe kommt es zur Katastrophe. Inzwischen machen Gerüchte die Runde, der Großvater habe das Haus 1933 im Rahmen der Arisierung unrechtmäßig und mit illegitimen Druck erworben. Für die Arbeit hat er kaum Zeit, zudem werden kurz nach seinem Arbeitsantritt sämtliche Computer aus dem Institut entwendet. Und die schwelenden Konflikte zwischen Ost - und West - Professoren, die in der Hierarchie und Bezahlung unterschiedlich eingestuft sind, machen es auch nicht leichter. Als Jenny nach Berlin kommt, um sich um eine Stelle als Pressesprecherin eines Unternehmens zu bewerben, spürt er deren Widerwillen gegen die Stadt, obgleich sie es ist, die sich mit gesundem Menschenverstand besser durch die Wirklichkeit des Berliner Lebens zu lavieren versteht. Ihr gelingt sogar ein erster Kontakt mit den Hausbesetzern. Doch Eduard kann nicht sicher sein, daß sie bereit ist, ihre Zelte in Amerika endgültig abzubrechen. Noch mehr verunsichert ist Eduard, als er bemerken muß, daß er Jenny nicht zum sexuellen Höhepunkt bringen kann, noch nie konnte. Das treibt ihn zu wilden Grübeleien und eher hilflosen und fast lächerlichen Versuchen, dem abzuhelfen. Als Jenny bis zur Entscheidung über ihren Job zu ihren Kindern zurückkehrt, beginnt er eine Affäre mit einer Mitarbeiterin des Instituts. Da sie um seine Ehe weiß und ahnt, daß er seine Familie nicht aufgeben wird, gibt es die Abmachung, keine Perspektiven zu entwickeln, keine Fragen über einanderzustellen, sondern nur die Treffen - an recht außergewöhnlichen Orten wie einem auf der grünen Wiese errichteten Neubaugebiet - zu genießen. Doch Eduard bricht die Vereinbarung... .
Ich gestehe, ich habe das Buch eigentlich ganz gern gelesen. Das verdankt sich in der Hauptsache dem leicht ironischen, leicht distanzierten Schreibstil Peter Schneiders, der dem Buch einen leichten, fast unbeschwerten Erzählfluß verleiht. Allerdings gleicht die Lektüre einem ausgiebigen Mahl in einem Fast - Food - Restaurant, daß den Geschmack zu reizen versteht, aber weder sonderlich nahrhaft, noch besonders gesund ist. Schneider hat einen Schelmenroman im wiedervereinigten Berlin anzusiedeln versucht, dessen Protagonist und Antiheld wohl eher dem Simplizissimus, denn - wie der Klappentext anklingen läßt - einem Don Quichote ähnelt. Der streift durch das ehemalige Ost - und West - Berlin und führt uns durch sämtliche Konflikte, Probleme und Erscheinungen der Wiedervereinigung beider Staaten und Stadthälften. Vom Ansteigen der Gewalt über neu erstarkende Rechtradikale bis hin zur Herabstufung Ostberliner Lebensleistungen und der Bevorzugung westlicher Fachleute, deren fachliche Qualifikation zumindest zweifelhaft erscheinen mag, von Diskussionen über die Verlagerung des Lebensnervs vom Kudamm zum Prenzlauer Berg bis zu Diskursen über die Zukunft eines wie auch immer gearteten Sozialismus wird der Leser in immer wiederkehrenden kleinen Brocken informiert. Dabei filtert der Autor vieles durch die Wahrnehmung und leicht ironisierende Gedankenwelt seiner Figur, ohne aber mehr als eine Anhäufung von Schlagzeilen oder Kurznotizen zu liefern. Als Berliner Leser dieses Romans kann ich trefflich bestätigen, daß all diese Phänomene und Diskurse im Berlin des Anfangs der neunziger Jahre recht vehement stattfanden und das Klima der Stadt durchaus nachhaltig prägten, aber dem Roman tut diese Anhäufung und oftmals fehlende Ausgestaltung nicht wirklich gut. Spätestens als die sexuellen Komplikationen des Ehepaars Einzug in den Roman halten, ist die Tragfähigkeit des Romans und des routinierten Erzählstils wohl erreicht : Oberflächlichkeit und Inhaltsschwere mischen sich zu einem Ganzen, das die geistige Verdauung auf eine harte Probe stellt. Wie nach einem hemmunglosen Gelage mit Burgern und Pommes fühlt man sich einesteils übersatt, auf der anderen Seite merkt man die ersten Regungen eines Bedürfnisses nach Substantiellerem und schwört, den Burgertempel das nächste halbe Jahr zu meiden. Die Überdosis Mayonnaise, die das Ende des Romans mit seinem versöhnlichen Ausgang bietet, jedoch dürfte in der folgenden Nacht noch einige Probleme aufwerfen. für den Besitzstreit um das Haus läßt sich der Autor eine ungewöhnliche, allerdings nicht unrealistische Lösung einfallen. Aber sowohl die Art, wie er Eduards Schwierigkeiten in der Ehe in ein gutes Ende überführt, wie auch die Wendung, die Eduards ursprünglicher Skeptizismus hin zu einer Versöhnung mit dem wiedervereinigten Deutschland nimmt, sorgen für ein länger anhaltendes Aufstoßen. So mag man dieses Buch als leichte Zwischendurch - Lektüre durchaus genießen, doch sollte man um Defizite und Risiken wissen.
Ich gestehe, ich habe das Buch eigentlich ganz gern gelesen. Das verdankt sich in der Hauptsache dem leicht ironischen, leicht distanzierten Schreibstil Peter Schneiders, der dem Buch einen leichten, fast unbeschwerten Erzählfluß verleiht. Allerdings gleicht die Lektüre einem ausgiebigen Mahl in einem Fast - Food - Restaurant, daß den Geschmack zu reizen versteht, aber weder sonderlich nahrhaft, noch besonders gesund ist. Schneider hat einen Schelmenroman im wiedervereinigten Berlin anzusiedeln versucht, dessen Protagonist und Antiheld wohl eher dem Simplizissimus, denn - wie der Klappentext anklingen läßt - einem Don Quichote ähnelt. Der streift durch das ehemalige Ost - und West - Berlin und führt uns durch sämtliche Konflikte, Probleme und Erscheinungen der Wiedervereinigung beider Staaten und Stadthälften. Vom Ansteigen der Gewalt über neu erstarkende Rechtradikale bis hin zur Herabstufung Ostberliner Lebensleistungen und der Bevorzugung westlicher Fachleute, deren fachliche Qualifikation zumindest zweifelhaft erscheinen mag, von Diskussionen über die Verlagerung des Lebensnervs vom Kudamm zum Prenzlauer Berg bis zu Diskursen über die Zukunft eines wie auch immer gearteten Sozialismus wird der Leser in immer wiederkehrenden kleinen Brocken informiert. Dabei filtert der Autor vieles durch die Wahrnehmung und leicht ironisierende Gedankenwelt seiner Figur, ohne aber mehr als eine Anhäufung von Schlagzeilen oder Kurznotizen zu liefern. Als Berliner Leser dieses Romans kann ich trefflich bestätigen, daß all diese Phänomene und Diskurse im Berlin des Anfangs der neunziger Jahre recht vehement stattfanden und das Klima der Stadt durchaus nachhaltig prägten, aber dem Roman tut diese Anhäufung und oftmals fehlende Ausgestaltung nicht wirklich gut. Spätestens als die sexuellen Komplikationen des Ehepaars Einzug in den Roman halten, ist die Tragfähigkeit des Romans und des routinierten Erzählstils wohl erreicht : Oberflächlichkeit und Inhaltsschwere mischen sich zu einem Ganzen, das die geistige Verdauung auf eine harte Probe stellt. Wie nach einem hemmunglosen Gelage mit Burgern und Pommes fühlt man sich einesteils übersatt, auf der anderen Seite merkt man die ersten Regungen eines Bedürfnisses nach Substantiellerem und schwört, den Burgertempel das nächste halbe Jahr zu meiden. Die Überdosis Mayonnaise, die das Ende des Romans mit seinem versöhnlichen Ausgang bietet, jedoch dürfte in der folgenden Nacht noch einige Probleme aufwerfen. für den Besitzstreit um das Haus läßt sich der Autor eine ungewöhnliche, allerdings nicht unrealistische Lösung einfallen. Aber sowohl die Art, wie er Eduards Schwierigkeiten in der Ehe in ein gutes Ende überführt, wie auch die Wendung, die Eduards ursprünglicher Skeptizismus hin zu einer Versöhnung mit dem wiedervereinigten Deutschland nimmt, sorgen für ein länger anhaltendes Aufstoßen. So mag man dieses Buch als leichte Zwischendurch - Lektüre durchaus genießen, doch sollte man um Defizite und Risiken wissen.
tinius - 9. Dez, 23:44












