Jens Sparschuh : Der Zimmerspringbrunnen. Ein Heimatroman
Kurz nach der Wiedervereinigung hatte Hinrich Lobek, Sachbearbeiter in der Kommunalen Wohnungsverwaltung Ost - Berlins seine Stelle verloren. Drei Jahre dämmert er nun auf seiner Couch und versieht mehr schlecht als recht die Versorgung von Blumen und Hund Freitag. Seine Frau dagegen hat eine Stelle gefunden, ist engagiert und der Zukunft zugewandt. Die Ehe der beiden hat inzwischen empfindlich gelitten, denn Lobek verweigert nicht selten die Kommunikation und verdächtigt sie darüberhinaus auch eines Verhältnisses mit einem ihrer Vorgesetzten. Seine Verdachtsmomente protokolliert er ebenso akribisch wie die immer wieder vergeblichen Gesprächsversuche seiner Frau Julia. Als er eine Zeitungsannonce findet, in der nach Vertretern gesucht wird, ändert sich Lobeks Leben rasant. Bei einem Seminar über Verkaufsmethoden fällt er - eigentlich durch ein Mißgeschick - positiv auf, und da es gerade in den neuen Bundesländern an Verkaufserfolgen fehlt, kommt er dem Firmeninhaber gerade recht, um im Osten den Absatz von Zimmerspringbrunnen zu steigern. Insbesondere das Modell "Jona", ein in das Brunnenbecken tauchender und Fontänen ausstoßender Walfisch, soll an den Mann gebracht werden. Mit einem erfahrenen Westkollegen soll er den Berliner Markt bearbeiten, und auch hier kommt er eher unfreiwillig zu Anfangserfolgen. Daß er nun jedoch die Wohnung als Lagerraum für etliche Brunnen zur Verfügung stellt, geht Julia zu weit und veranlaßt sie dazu, auszuziehen. Lobek vermißt sie schmerzlich, ist aber nicht in der Lage, einen Anknüpfungspunkt zu finden. Stattdessen gerät sein Leben in den monotonen Wechsel von Arbeit, Essen und Schlafen, sodaß er selbst den Hund vernachlässigt. Als der das Wasser aus einem der Brunnenbecken trinkt und der Motor des Gerätes verschmort, improvisiert Lobek bei der Reparatur ein vollkommen neues Modell : Atlantis. Statt eines Walfisches erhebt sich nun der Berliner Fernsehturm auf einer im Grundriß der ehemaligen DDR zugesägten Kupferplatte. Zunächst als Warenfehlbestand angesehen, wird genau dieses Modell schnell zum Selbstläufer. Nicht nur die Wendeverlierer, zu denen er sich bislang ja selbst gezählt hatte, sondern auch die alten Kader und Berufsnostalgiker finden daran gefalllen, sodaß er mit den Umbauarbeiten kaum nachkommt. Der westlichen Firmenleitung ist von diesen Änderungen nichts bekannt, doch die steigenden Umsätze werden mehr als wohlwollend zur Kenntnis genommen, und er ist auf dem besten Wege, seinen westlichen, ihm vorgesetzten Kollegen auszustechen....
Im Untertitel nennt sich dieser kurze Roman "Ein Heimatroman", und genau das ist er im besten Sinne. Ort der Handlung ist ein seit drei Jahren wiedervereinigtes Deutschland, und so sorgt Jens Sparschuh dafür, daß in seiner Satire weder die Vertreter des Westens noch des Ostens ungeschoren davonkommen. Lobek selbst hat sich von Beginn an in einer Opferrolle eingerichtet, die ihm moralische Überlegenheit sichern soll, und frönt ständig und ausdauernd seiner Ich - Bezogenheit, die ihn Frau, Ehe und Hund vernachlässigen läßt. Aber auch die Vertreter des Westens und deren Methoden stehen nicht viel besser da. Die angepriesenen Verkaufsstrategien basieren entweder auf Vulgärpsychologie oder gar den Strategieplanungen von Kriegen, wie die Wortwahl der Schulungsmaterialien vermuten lassen. Und man muß befürchten, daß etliches dieser sinnfreien, gleichwohl hanebüchenen Anleitungen nicht allzu fern der Realität eines Vertreterseminars sind. So gerät das Verkaufstraining zur Farce, und die anwesenden Vertreter glänzen im Rollenspiel entweder durch lehrbuchhaftes Verhalten oder durch komplettes Versagen bei selbst simpelsten Vorgaben. Der Brunnen "Atlantis" findet in den neuen Bundesländern reißenden Absatz, denn es herrscht weitgehend das Gefühl vor, sich auf der Verliererseiter der Wiedervereinigung zu finden. Zumindest unterschwellig dominiert das Gefühl der Nostalgie, ein Nachtrauern den alten, sicheren Gegebenheiten der DDR. Daß diese jedoch alles andere als wünschenswert waren, wird schnell deutlich, wenn der Ich - Erzähler Hinrich Lobek über seine Tätigkeit in der Kommunalen Wohnungsverwaltung berichtet. Denn er mußte sich mit den Beschwerden über bauliche Mißstände befassen, ohne daß er deren Behebung wirklich hätte veranlassen können. Sparschuh hat eine lesenswerte Satire geschrieben, die sich zunächst einmal dadurch auszeichnet, daß die Geschichte mindestens gleichwertig neben der - politischen, gesellschaftlichen - Aussage steht. Somit wird dem Leser ein literarisches Werk geboten, das unterhaltsam, manchmal urkomisch und ab und an recht böse daherkommt. Und doch wird es an keiner Stelle wirklich verletzend oder bösartig. Ich denke, ein gelegentliches Kichern wird allen Lesergruppen herausrutschen. Selbst heute noch.
Im Untertitel nennt sich dieser kurze Roman "Ein Heimatroman", und genau das ist er im besten Sinne. Ort der Handlung ist ein seit drei Jahren wiedervereinigtes Deutschland, und so sorgt Jens Sparschuh dafür, daß in seiner Satire weder die Vertreter des Westens noch des Ostens ungeschoren davonkommen. Lobek selbst hat sich von Beginn an in einer Opferrolle eingerichtet, die ihm moralische Überlegenheit sichern soll, und frönt ständig und ausdauernd seiner Ich - Bezogenheit, die ihn Frau, Ehe und Hund vernachlässigen läßt. Aber auch die Vertreter des Westens und deren Methoden stehen nicht viel besser da. Die angepriesenen Verkaufsstrategien basieren entweder auf Vulgärpsychologie oder gar den Strategieplanungen von Kriegen, wie die Wortwahl der Schulungsmaterialien vermuten lassen. Und man muß befürchten, daß etliches dieser sinnfreien, gleichwohl hanebüchenen Anleitungen nicht allzu fern der Realität eines Vertreterseminars sind. So gerät das Verkaufstraining zur Farce, und die anwesenden Vertreter glänzen im Rollenspiel entweder durch lehrbuchhaftes Verhalten oder durch komplettes Versagen bei selbst simpelsten Vorgaben. Der Brunnen "Atlantis" findet in den neuen Bundesländern reißenden Absatz, denn es herrscht weitgehend das Gefühl vor, sich auf der Verliererseiter der Wiedervereinigung zu finden. Zumindest unterschwellig dominiert das Gefühl der Nostalgie, ein Nachtrauern den alten, sicheren Gegebenheiten der DDR. Daß diese jedoch alles andere als wünschenswert waren, wird schnell deutlich, wenn der Ich - Erzähler Hinrich Lobek über seine Tätigkeit in der Kommunalen Wohnungsverwaltung berichtet. Denn er mußte sich mit den Beschwerden über bauliche Mißstände befassen, ohne daß er deren Behebung wirklich hätte veranlassen können. Sparschuh hat eine lesenswerte Satire geschrieben, die sich zunächst einmal dadurch auszeichnet, daß die Geschichte mindestens gleichwertig neben der - politischen, gesellschaftlichen - Aussage steht. Somit wird dem Leser ein literarisches Werk geboten, das unterhaltsam, manchmal urkomisch und ab und an recht böse daherkommt. Und doch wird es an keiner Stelle wirklich verletzend oder bösartig. Ich denke, ein gelegentliches Kichern wird allen Lesergruppen herausrutschen. Selbst heute noch.
tinius - 12. Sep, 04:56













Könnte ganz witzig und interessant sein ..
Liebe Grüße