Monika Maron : Ach Glück
In dieser Fortsetzung des vorhergehenden Romans "Endmoränen" steht einmal mehr das Ehepaar Johanna und Achim Märtin im Mittelpunkt der Betrachtung Marons. Die Ehe scheint unwiederbringlich gestrandet, obwohl von einer Trennung keine Rede ist. Achim, Germanist und angesehener Kleistforscher hat sich seit längerem schon hinter seinem Schreibtisch verbarrikadiert, verweigert selbst häufig genug die Kommunikation mit seiner Frau. Beide leben seit dem Mauerfall in guten Verhältnissen im Stadtzentrum Berlins, berufliche Perspektiven jedoch scheint es für das Akademikerpaar aus der ehemaligen DDR nicht mehr zu geben, Johanna verzichtet darauf, weitere Biographien zu schreiben, Achim ist Angehöriger eines Instituts, deren Mitarbeiter hauptsächlich damit befasst sind, ihre Reputation und Rang zu verteidigen oder ihre Animositäten und Ressentiments zu pflegen. Es bleibt nur die Aussicht auf ein ödes und höhepunktloses Alter(n). Und doch gerät unvermittelt einiges in Bewegung. Nach einer Liebesnacht mit einem viel jüngeren russischen Galeriebesitzer findet Johanna auf der Rückfahrt von ihrem Haus im Brandenburgischen einen ausgesetzten schwarzen Hund. Dieser reagiert auf ihre Zuwendung unmittelbar und erwidert sie mit bedingungsloser Zuneigung. Johanna macht ihn zur Projektionsfläche für ihre Suche nach Sinn und Glück in ihrem Leben und gerät in eine Art Aufbruchsstimmung, während ihr Mann nicht nur in seiner Depression verharrt, sondern die Entwicklung seiner Frau fassungslos und ohne jede Erklärungsmöglichkeit zur Kenntnis nehmen muß. Johanna übernimmt vertretungsweise die Aufsicht über die Galerie des jungen Russen und kommt so in brieflichen Kontakt mit einer russischen Fürstin, Natalia Timofejewna, die nach einem bewegten Leben nach Mexiko gereist ist, um dort nach der Malerin und Autorin Leonora Carrington, einer Jugendbekanntschaft, zu suchen, die dort - obwohl lange totgesagt - dort ihren Lebensabend fristen soll. Sie ermutigt Johanna, nach Mexiko aufzubrechen und ihr bei der Suche behilflich zu sein. Und Johanna wagt diesen Schritt, während Achim recht ziellos durch Berlin streift... .
Es ist keine unabdingbare Voraussetzung, den Roman "Endmoränen" im Vorfeld gelesen zu haben, allerdings wird man am Ende dieses Romans das Erscheinen eines dritten Teiles der Geschichte um das Ehepaar Märtin herbeiwünschen, um zu erfahren, ob Johannas Suche nach Glück und Lebenssinn in Mexiko Erfolge oder Scheitern zeitigt. Denn am Ende von "Ach Glück" betritt sie gerade erst mexikanischen Boden. Somit schildert der Roman nur die eigentliche Aufbruchssituation und nimmt - in Rückblenden - die Bestandsaufnahme einer Ehe vor : längst scheinen die Gemeinsamkeiten der beiden aufgebraucht, der letzte gemeinsame Glücksmoment beim Fall der Mauer liegt lange zurück, und die Affäre Achims mit einer jüngeren Frau hat zwar nicht zur Scheidung, doch aber zu einer weiteren und tiefgreifenden Entfremdung der beiden Ehepartner geführt. Obwohl beide über sowohl finanzielle als auch überdurchschnittliche intellektuelle Grundlagen verfügen, ist es ihnen nicht gelungen, ihr Leben dauerhaft mit Sinn und emotionalen Höhepunkten zu füllen, sodaß das Alter nun in ewiger Wiederholung starrer Routineabläufe zu versanden droht. Ab und an kommt man als Leser nicht umhin, ein larmoyantes Jammern auf hohem Niveau zu konstatieren, das allerdings durch die Fähigkeiten der Autorin, formal, sprachlich und stilistisch auf höchstem Niveau zu schreiben, erheblich gemildert wird. Die Konstruktion des Buches ist relativ komplex : in alternierenden Kapiteln erfahren wir die Sichtweisen der beiden Eheleute, ihr Ringen mit der gegenwärtigen Situation zwischen Umbruch und Stagnation. Zusätzlich bereichern Rückblenden und die Briefe der russischen Fürstin den Roman. Und nicht zuletzt wird der Begriff "Glück" oder vielmehr dessen vermeintliche Unerreichbarkeit, Wiederherstellbarkeit reflektiert. Monika Maron verwendet einen realistischen Erzählstil, aber begibt sich, etwa wenn sie ein Bild Adolf Menzels einem Selbstportrait der den Surrealisten zuzurechnenden Malerin Carrington gegenüberstellt, auch gern einmal auf eine bildliche, symbolische Ebene. Selbst der schwarze Hund ist nicht nur ein Lebewesen, sondern ein symbolhafter Rückgriff auf das Natürliche, Kreatürliche. Immer wieder blitzt in diesem Roman auch ein leichter ironischer Ton auf, am deutlichsten bei einem Abendessen der Institutsmitarbeiter, das sich in sinnlosen Hahnenkämpfen erschöpft. Ich habe dieses Buch recht gern gelesen, ohne jedoch in Begeisterungstaumel zu verfallen. Das Ende - vermutlich sehr bewußt als cliffhanger ausgelegt - kann man dennoch als den Abschluß einer Entwicklung und Ankündigung eines neuen Abschnittes sehen, sodaß man auch unter diesem Aspekt das Buch nicht unzufrieden beendet.
Es ist keine unabdingbare Voraussetzung, den Roman "Endmoränen" im Vorfeld gelesen zu haben, allerdings wird man am Ende dieses Romans das Erscheinen eines dritten Teiles der Geschichte um das Ehepaar Märtin herbeiwünschen, um zu erfahren, ob Johannas Suche nach Glück und Lebenssinn in Mexiko Erfolge oder Scheitern zeitigt. Denn am Ende von "Ach Glück" betritt sie gerade erst mexikanischen Boden. Somit schildert der Roman nur die eigentliche Aufbruchssituation und nimmt - in Rückblenden - die Bestandsaufnahme einer Ehe vor : längst scheinen die Gemeinsamkeiten der beiden aufgebraucht, der letzte gemeinsame Glücksmoment beim Fall der Mauer liegt lange zurück, und die Affäre Achims mit einer jüngeren Frau hat zwar nicht zur Scheidung, doch aber zu einer weiteren und tiefgreifenden Entfremdung der beiden Ehepartner geführt. Obwohl beide über sowohl finanzielle als auch überdurchschnittliche intellektuelle Grundlagen verfügen, ist es ihnen nicht gelungen, ihr Leben dauerhaft mit Sinn und emotionalen Höhepunkten zu füllen, sodaß das Alter nun in ewiger Wiederholung starrer Routineabläufe zu versanden droht. Ab und an kommt man als Leser nicht umhin, ein larmoyantes Jammern auf hohem Niveau zu konstatieren, das allerdings durch die Fähigkeiten der Autorin, formal, sprachlich und stilistisch auf höchstem Niveau zu schreiben, erheblich gemildert wird. Die Konstruktion des Buches ist relativ komplex : in alternierenden Kapiteln erfahren wir die Sichtweisen der beiden Eheleute, ihr Ringen mit der gegenwärtigen Situation zwischen Umbruch und Stagnation. Zusätzlich bereichern Rückblenden und die Briefe der russischen Fürstin den Roman. Und nicht zuletzt wird der Begriff "Glück" oder vielmehr dessen vermeintliche Unerreichbarkeit, Wiederherstellbarkeit reflektiert. Monika Maron verwendet einen realistischen Erzählstil, aber begibt sich, etwa wenn sie ein Bild Adolf Menzels einem Selbstportrait der den Surrealisten zuzurechnenden Malerin Carrington gegenüberstellt, auch gern einmal auf eine bildliche, symbolische Ebene. Selbst der schwarze Hund ist nicht nur ein Lebewesen, sondern ein symbolhafter Rückgriff auf das Natürliche, Kreatürliche. Immer wieder blitzt in diesem Roman auch ein leichter ironischer Ton auf, am deutlichsten bei einem Abendessen der Institutsmitarbeiter, das sich in sinnlosen Hahnenkämpfen erschöpft. Ich habe dieses Buch recht gern gelesen, ohne jedoch in Begeisterungstaumel zu verfallen. Das Ende - vermutlich sehr bewußt als cliffhanger ausgelegt - kann man dennoch als den Abschluß einer Entwicklung und Ankündigung eines neuen Abschnittes sehen, sodaß man auch unter diesem Aspekt das Buch nicht unzufrieden beendet.
tinius - 21. Aug, 23:08













Schwer zu entscheiden,
Nicht, dass sie mich abhalten würde, aber diese Ehen (Zeruya Shalev, Paula Fox), die den Rank im Alter nicht finden - ich weiss nicht recht.
Ich glaube fast, ich les' zuerst den neuen Hohler.