Graham Greene : Das Ende einer Affäre

In einer Regennacht trifft der Ich - Erzähler Maurice Bendrix auf den Ministerialbeamten Henry Miles. Der hegt den Verdacht, seine Frau betrüge ihn und ist entsprechend verzweifelt. Allerdings ahnt er nicht, daß seine Frau ihn vor Jahren eben mit
Maurice betrogen hatte. Diese Affäre war zwei Jahre zuvor bereits beendet worden, ohne daß Maurice, der schon während der Liebesbeziehung eifersüchtig und haßzerfressen war, erfahren hat, weshalb. Und nun entwickelt er eine Eifersucht auf den vermeintlich neuen Rivalen. Daß Henry Miles mit dem Gedanken spielt, einen Detektiv zu engagieren, um dem Ehebruch auf die Spur zu kommen, nutzt er, um seinerseits Nachforschungen zu veranlassen, obwohl Henry Miles diese Idee bereits verworfen hatte. So beschattet also ein Mr. Parkis in Begleitung seines Sohnes Sarah Miles. Aber die sich ergebenden Anhaltspunkte bleiben eher vage. Eine Spur führt zu Richard Smythe, einem Mann mit einem unübersehbaren Muttermal im Gesicht, der sich der Aufgabe verschrieben hat, die Menschen von der Nicht - Existenz Gottes zu überzeugen. Doch auch er ist letztendlich nicht der Gesuchte. Erst als ein bestochenes Zimmermädchen das Tagebuch von Sarah stiehlt, findet Maurice die Anhaltspunkte. Und nicht nur das : Auch die Frage, weshalb Sarah die Affäre beendet hatte, findet sich in den Aufzeichnungen beantwortet. Nicht seine zerstörerische Eifersucht war der Anlaß, auch kein Nebenbuhler führte zur Trennung, sondern ein Gelübde....

Dieser Roman ist wohl einer der sperrigsten von Graham Greene. Das mag durch Verschiedenes verursacht sein. So sind die beiden männlichen Charaktere, Henry Miles, der eher hölzern und steif wirkende Beamte, und sein Gegenspieler Maurice, der eifersüchtige und immer hassende Schriftsteller, zunächst nur wenig sympathische Figuren. Während Henry im Verlauf des Buches, insbesondere durch sein Leid und seine Loyalität deutlich an Statur und Sympathie gewinnt, vollziehen sich die Änderungen in Maurice nur in Nuancen, ohne daß man sie aber übersehen dürfte. Eine weitere Schwierigkeit bietet sich dem Leser in der zu Beginn meisterhaften Konstruktion, bei der der Ich - Erzähler zwei Jahre nach dem Ende seiner Liebesbeziehung seiner ehemaligen Geliebten nachspioniert und die bis dato unbekannten Umstände der Trennung zu erfahren sucht. Um jedoch diese Frage zu klären, muß er die zugrundeliegende Konstruktion durchbrechen und die Frau - mittels des Tagebuches - zu Wort kommen lassen. Die Hauptschwierigkeit für den - heutigen - Leser findet sich aber im Inhalt des Romans : Sarahs Gelübde und die Hinwendung zu Gott, genauer gesagt zur katholischen Kirche. In ihrem Tagebuch finden sich ihre Zweifel, ihr Gottesbild, ihre Gespräche mit dem Atheisten Smythe beinahe in der Form eines theologischen Diskurses. Dazugefügt werden im Fortgang des Buches noch eine heimliche Taufe im Kleinkindalter und die an ein Wunder gemahnende Heilung des Muttermals von Smythe. Verstärkt wird das alles noch durch Greenes Religionsverständnis, das einen unnachgiebigen und eher unmenschlichen, zumindest wenig barmherzigen Gott voraussetzt. Maurice, der zunächst gemeint hatte, daß er das von Sarah gemachte Gelübde würde durchbrechen können, und sich bald darauf getäuscht sieht, beginnt sich nun in einen Haß gegen Gott, in eine Eifersucht auf Gott hineinzusteigern, was bisweilen grotesk wirkt. Allerdings bergen Haß und Eifersucht auch einen Teil der Anerkennung der Existenz Gottes in sich. Dies und der nähere Umgang mit Henry Miles, der nach und nach Maurices Bild von Sarahs Ehemann zurechtrückt, deuten wenigstens die Möglichkeit einer positiven Entwicklung in Maurices Charakter an. Ob jeder Leser soweit in diesem Roman gelangt, wage ich leicht zu bezweifeln.

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