Robert Schneider : Schlafes Bruder
1802 wird in dem Vorarlberger Bergdorf Eschbach Johannes Elias Alder, der Protagonist des Romans geboren. Vieles deutet darauf hin, daß nicht Seff Alder, sondern der Kurat Benzer der Vater des Kindes ist. Dies ist nichts ungewöhnliches in dem kleinen Ort, dessen Einwohner vor allem Mitglieder nur zweier Familien sind, innerhalb derer es ebenso inzestuöse Verbandelungen wie heftige Feindschaften gibt. Aberglaube, Rückständigkeit und Eigennutz sind weitverbreitete Eigenschaften im Dorf. Ungewöhnlich allerdings ist Elias, der schon im Taufgottesdienst eine Neigung zur Musik erkennen läßt. Als er mit fünf Jahren sowohl innerhalb einer Nacht die Pubertät durchlebt als auch das absolute Gehör entwickelt, wird er endgültig zum Außenseiter. Eine tiefe Stimme, starke männliche Behaarung und gelb schimmernde Augen lassen es der Mutter notwendig erscheinen, das Kind im Haus zu verbergen. Wenn er am Fenster steht, wird er von anderen Kindern angegafft und verspottet, nur sein Cousin Peter beteiligt sich nicht daran und sucht seinen Kontakt. Niemand im Dorf erkennt Elias' musikalisches Talent, und keiner fördert ihn, sodaß er nicht einmal lernt, Noten zu lesen. Nachdem er sich wieder frei im Ort bewegen darf, freundet er sich mit Peter an. Doch der ist herrisch und sadistisch. Er ist es auch, der aus Rache an seinem Vater einen verheerenden Brand auslöst, bei dem die Hälfte der Häuser des Ortes zerstört wird. Elias rettet Peters Schwester Elsbeth und verliebt sich in das Mädchen. Schon in der Nacht seiner Verwandlung hatte er den Herzschlag seiner damals noch ungeborenen großen Liebe gespürt. Elias darf mittlerweile die Blasebälge der Orgel während der Gottesdienste bedienen und schleicht nachts in die Kirche, um heimlich das Orgelspiel zu erlernen und autodidaktisch eigene Kompositionen zu entwickeln. Als der Organist eines Tages ausfällt, kann er sein immenses Talent unter Beweis stellen und beeindruckt die ganze Gemeinde. Auch der Kontakt zu Elsbeth gestaltet sich angenehm und positiv, und bald meint er, daß seine Liebe, die er allerdings niemals ihr gegenüber äußert, erwidert werden könnte. Doch Elsbeth fügt sich den Anweisungen ihres Bruders und heiratet den Bauern Lukas. Elias verzweifelt darüber. Doch eine positive Wendung scheint sich abzuzeichnen, als sein musikalisches Genie von einem Musiker aus der Stadt erkannt wird, der ihn zu einem Orgelspielwettbewerb einlädt. Und auch hier triumphiert Elias....
"Schlafes Bruder", der Titel des Romans leitet sich aus dem Choral "Komm, O Tod, Du Schlafes Bruder" aus der "Kreuzstab - Kantate" von Johann Sebastian Bach her, dem Werk, mit dem Elias zum Sieger des musikalischen Wettbewerbs wird. Und so weisen der Titel und schon das Vorwort eindeutig auf das unvermeidliche Ende des Romans hin. Der Autor bedient sich im wesentlichen einer auktorialen, allerdings manchmal postmodern gebrochenen Erzählhaltung und einer Sprache, wie sie in den Romanen des neunzehnten Jahrhunderts häufig zu finden sind. Gerade in der Sprache hat der Leser mit ungewohnten, altertümlichen Wörtern zu kämpfen, die sich meist aus dem Sinnzusammenhang klären. Aber auch inhaltlich zeigen sich Brüche : zumeist realistisch erzählt, finden sich ab und an surrealistische oder phantastische Momente, der wichtigste ist dabei wohl das frühzeitige Pubertieren des Kindes, jedoch nicht der einzige. Dennoch liest sich das Buch angenehm und beinahe flüssig, versteht es der Autor, Interesse und Mitgefühl an und mit seinen Figuren entstehen zu lassen. Ein wenig scheint das Genialische - dabei aber durchaus dem Denken des neunzehnten Jahrhunderts folgend - überbetont und in dem strengen Gegensatz zum Hinterwäldlertum der übrigen Dorfgemeinschaft überzeichnet. Und ebenso mag es dem Leser mit Elias' Liebe und deren Konsequenzen gehen, wiewohl diese durch die ketzerischen Reden eines Wanderpredigers geschickt motiviert sind. Verkündete dieser doch, daß jemand, der schlafe, nicht liebe. Das Zusammenspiel von Inhalt, Stil und Sprache jedoch hat für mich dieses Buch zu einer interessanten, genußvollen Lektüre gemacht.
Weitere Rezensionen :
Kristus
"Schlafes Bruder", der Titel des Romans leitet sich aus dem Choral "Komm, O Tod, Du Schlafes Bruder" aus der "Kreuzstab - Kantate" von Johann Sebastian Bach her, dem Werk, mit dem Elias zum Sieger des musikalischen Wettbewerbs wird. Und so weisen der Titel und schon das Vorwort eindeutig auf das unvermeidliche Ende des Romans hin. Der Autor bedient sich im wesentlichen einer auktorialen, allerdings manchmal postmodern gebrochenen Erzählhaltung und einer Sprache, wie sie in den Romanen des neunzehnten Jahrhunderts häufig zu finden sind. Gerade in der Sprache hat der Leser mit ungewohnten, altertümlichen Wörtern zu kämpfen, die sich meist aus dem Sinnzusammenhang klären. Aber auch inhaltlich zeigen sich Brüche : zumeist realistisch erzählt, finden sich ab und an surrealistische oder phantastische Momente, der wichtigste ist dabei wohl das frühzeitige Pubertieren des Kindes, jedoch nicht der einzige. Dennoch liest sich das Buch angenehm und beinahe flüssig, versteht es der Autor, Interesse und Mitgefühl an und mit seinen Figuren entstehen zu lassen. Ein wenig scheint das Genialische - dabei aber durchaus dem Denken des neunzehnten Jahrhunderts folgend - überbetont und in dem strengen Gegensatz zum Hinterwäldlertum der übrigen Dorfgemeinschaft überzeichnet. Und ebenso mag es dem Leser mit Elias' Liebe und deren Konsequenzen gehen, wiewohl diese durch die ketzerischen Reden eines Wanderpredigers geschickt motiviert sind. Verkündete dieser doch, daß jemand, der schlafe, nicht liebe. Das Zusammenspiel von Inhalt, Stil und Sprache jedoch hat für mich dieses Buch zu einer interessanten, genußvollen Lektüre gemacht.
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Kristus
tinius - 12. Aug, 23:03













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