Peter Stamm : In fremden Gärten

In dem Buch hat der Autor auf 156 Seiten elf Erzählungen veröffentlicht. In der Erzählung "Die brennende Wand" schildert Stamm die Begegnung des ehemaligen Melkers Henry, der mit einer Stuntshow durch die Lande tingelt, mit Manuela, einer Bedienung in einem Burger - Restaurant. Ein kurzes sexuelles Erlebnis in Henrys Wohnwagen läßt ihn hoffen, in Manuela eine Partnerin gefunden zu haben. So lädt er sie zum Besuch der Show ein, aber Manuela ist zunächst alles andere als entschlossen, dort aufzutauchen. Doch dann geht sie mit einer Freundin doch in die Vorstellung, nur Henry, der für freien Eintritt sorgen wollte, ist nicht am verabredeten Ort. In der Geschichte "Der Besuch" begnen wir Regina, einer etwas älteren Dame, die mehr oder weniger vereinsamt. Die Kinder kommen nur selten zu Besuch und bleiben meist nicht allzu lange. Doch als eines Abends ihre Enkeltochter mit ihrem australischen Freund bei ihr im Haus übernachten, scheint eben dieser Freund eine lange nicht erlebte Nähe zu ermöglichen. Eric, der Protagonist der Erzählung "Wie ein Kind, wie ein Engel" ist Revisor, der im Auftrag seines Unternehmens durch die verschiedensten Länder reist, um dort Niederlassungen zu kontrollieren und die Buchhaltung in Ordnung zu bringen. Seine Kontakte und Beziehungen sind meist nur flüchtig und erstrecken sich nur selten in den wirklichen Privatbereich. Nur mit dem Buchhalter Valdis entwickelt sich eine etwas weitergehende Beziehung, jedoch ändert die Mitteilung Valdis´, daß seine Frau schwer erkrankt sei, und dessen Bitte um finanzielle Hilfe einiges. In "Der Kuß" reist ein Alter Mann zu seiner Tochter in der Schweiz, wo sie eine Stelle als Servierkraft angenommen hat. Die Beziehung der beiden ist schwierig und bietet einige Reibungsflächen. Nur langsam wird der Tochter das Alter und der auf Dauer unausweichliche Tod ihres Vaters bewußt.

Ein wenig karg wirkten auf mich diese Erzählungen, selten fand sich die Gelegenheit, eine emotionale Bindung zu den handelnden Personen aufzubauen. Aber genau dieses Lakonische ist ein Merkmal von Peter Stamms Prosa. Der Leser fühlt sich - und das scheint auch so beabsichtigt - zu Besuch "in fremden Gärten", in denen man umhergehen kann, deren Einzelheiten man betrachtet, ohne aber dort etwa eine Blume pflücken zu dürfen oder den Erholungswert und die Schönheit in vollem Ausmaß genießen zu können. Und ähnlich geht es auch den Personen der Erzählungen. Nur wenige Begegnungen versprechen etwas dauerhaftes. Auf der ganzen Welt verteilt, leben viele der Protagonisten eher in einem Provisorium, einem Zwischenaufenthalt, der - gewollt - nicht immer eine endgültige Verortung und Einrichtung ins Leben darstellt. Ich habe das Buch dennoch gern gelesen, zum einen, weil mir Peter Stamms Prosa, sein sehr zurückgenommener und fast sachlicher Erzählstil gefällt, weil manches nur angedeutet wird und genug Raum bietet, über die Geschichten und ihre Menschen nachzudenken. Dazu versteht es der Autor, das Interesse am Fortgang der Erzählung wachzuhalten.

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