Graham Greene : Das Attentat

James Raven, entstellt durch eine schlecht behandelte Hasenscharte, ermordet im Auftrag zunächst unbekannt bleibender Hintermänner einen Minister und dessen Sekretärin, die ungeplant Zeugin des Verbrechens geworden war. Durch das Attentat gerät Europa an den Rand eines Krieges. Während sich die Nachrichten überschlagen übergibt der Mittelsmann, Mr. Cholmondeley, in London das Honorar an Raven. Die Banknoten stammen jedoch aus einem Überfall und sind bei der Polizei registriert, sodaß Raven ins Visier der Polizei gerät. Um seinen Verfolgern zu entkommen und den Verrat zu rächen, folgt Raven dem Mittelsmann Cholmondeley in die englische Kleinstadt Nottwich. Der nennt sich dort Davis, ist angesehen und unterstützt das Theater der kleinen Stadt, auch um Affären mit den Schauspielerinnen beginnen zu können. Raven nimmt Anne Crowder, die Verlobte des Polizisten Mather, die ein Engagement an just diesem Theater antreten will, als Geisel, um unentdeckt durch die Bahnhofskontrollen zu kommen. Da sie jedoch als Zeugin gefährlich werden könnte, plant er, sie in einem unbewohnten Haus zu erschießen, wird jedoch von einem Makler und dessen Kunden dabei gestört. Anne, die sich durch seine Hasenscharte nicht abgestoßen fühlt und ihm auch die von ihm geschilderte Situation glaubt, rettet die Situation und ihn. Im Theater trifft sie auf Cholmondeley/Davis und läßt sich von ihm einladen. Doch eine unbedachte Bemerkung versetzt Davis in Panik, und er versucht Anne zu töten. Als Raven sie schließlich findet, glaubt er, wenn auch zögerlich, ihr vertrauen zu können. Seine Verwicklung in das Attentat hatte er ihr bislang verschwiegen. Raven, der weiterhin fest entschlossen ist, sich an den Auftraggebern des Attentats zu rächen, erzählt ihr von der Tat. Und als sie von der Polizei eingekreist werden, rettet ihn Anne ein zweites Mal, sodaß Raven seinen Plan in die Tat umsetzen kann....

Nicht selten benutzt Graham Greene das Muster des Kriminalromans, um weit darüber hinaus gehende Themen zu behandeln. James Raven, der junge Auftragsmörder, der von Kindheit an wegen seiner Hasenscharte ausgegrenzt wurde, der nach dem Selbstmord seiner Mutter in einem Heim groß wurde, ist unfähig, anderen zu vertrauen und sich zu öffnen. Er lebt real und in der Vorstellung in einer absolut feindlichen Welt, in der Vertrauen einen hohen Preis kosten kann, und wird in dieser Einsicht immer wieder bestätigt. Nur in der Begegnung mit Anne scheint sich die Möglichkeit zu zeigen, seine Isolation zu durchbrechen. Denn auch ihn belastet zumindest die Ermordung der unbeteiligten Sekretärin. Greene hat ein spannendes und unterhaltsames Buch geschrieben, das durch die menschliche Dimension eine nicht unerhebliche Tiefgründigkeit aufweist. Die Charaktere, vor allem Anne und Raven, sind glaubhaft und wirken lebendig, sodaß das Buch flüssig wie ein Krminalroman zu lesen ist. Nur das Ende, das mir ein wenig aufgesetzt erscheint, wenn man die Erschütterung der Beziehung zwischen Anne und ihrem Verlobten im Laufe der Handlung nicht außer Acht läßt, hat mich eher erstaunt.

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