Péter Esterházy : Die Hilfsverben des Herzens
Der nicht sehr umfangreiche Roman, entstanden Monate nach dem Tod von Péter Esterházys Mutter, erzählt in kurzen Kapiteln vom Sterben und der Beerdigung der Mutter, aber auch von Stationen ihres Lebens, vom Umgang der Familie miteinander. Als der Vater die Kinder zum Krankenbett der schwer erkrankten Mutter ruft, will zunächst niemand der drei Geschwister glauben, daß ihr Tod unmittelbar bevorsteht. Noch vor dem Krankenhaus ist die Stimmung gelöst, es werden Scherze gemacht. Doch im Krankenzimmer zeigt sich, daß die Krankheit weit vorangeschritten ist, daß die Mutter nur noch wenige persönliche Züge aufweist und kaum unterscheidbar ist von den anderen Kranken. Auch eine Kommunikation ist nur schwer möglich. Schließlich stirbt die Mutter. Alle versuchen, die Fassung zu bewahren, und die Beerdigung verläuft routiniert, beinahe sachlich. Von der anschließenden Feierlichkeit verschwindet der (autobiographische) Ich - Erzähler, um mit einem Freund der Familie zwei Krankenschwestern zu treffen. An dieser Stelle wechselt der Erzähler. In Bruchstücken und Episoden erzählt nunmehr die Mutter ihr Leben, von ihrer Kindheit, ihrer Pubertät, ihrer Liebe und ihrer Ehe, manchmal sind es reale Erlebnisse, manch anderes Mal Träume und Phantasien. Und hier geraten Zitate, insbesondere aus einer Erzählung von Borges, zum Bestandteil des eigentlichen Textes. Auch die Kriegswirren und die Übernahme der Macht durch die Kommunisten scheinen auf. Noch einmal wechselt der Erzähler. Wieder ist es der Sohn, der schildert, wie er die Mutter besucht hatte, sie zur Toilette und zurück ins Krankenzimmer gebracht hatte, eine intime, manchmal beklemmend nahe Situation, die darin endet, daß der Sohn die Mutter in seinen Armen hält : eine umgekehrte Piéta.
Unter jedem Kapitel hat Esterházy kurze Zitate angefügt, teils textgenau, teils verfremdet, von verschiedenen, meist ungarischen Autoren, aber auch aus seinen Büchern, von Borges, Rimbaud oder Handke.
Esterházy verzichtet zu großen Teilen auf ein lineares, chronologisches Erzählen, sondern gestaltet den Text vor allem mittels Sprache und den daraus entstehenden Bildern und Assoziationen. Auch die Zitate, zunächst nur schwer in den Zusammenhang einzubinden, umso mehr als viele der zitierten Texte westlichen Lesern eher unbekannt sein dürften, tragen dann doch zum Gesamttext bei, erweitern, kommentieren oder kontrastieren, sodaß ein sehr komplexes, nur schwer zu verarbeitendes Gesamtkunstwerk entsteht. Und doch hat der Leser am Ende einen intensiven, eindrücklichen Text gelesen, der zum Nachdenken anregt, der berührt und nahegeht. Und er hat - mit ein wenig "Lesearbeit" - Literatur als das erfahren können, was es ist, sein sollte : als Kunst.
Unter jedem Kapitel hat Esterházy kurze Zitate angefügt, teils textgenau, teils verfremdet, von verschiedenen, meist ungarischen Autoren, aber auch aus seinen Büchern, von Borges, Rimbaud oder Handke.
Esterházy verzichtet zu großen Teilen auf ein lineares, chronologisches Erzählen, sondern gestaltet den Text vor allem mittels Sprache und den daraus entstehenden Bildern und Assoziationen. Auch die Zitate, zunächst nur schwer in den Zusammenhang einzubinden, umso mehr als viele der zitierten Texte westlichen Lesern eher unbekannt sein dürften, tragen dann doch zum Gesamttext bei, erweitern, kommentieren oder kontrastieren, sodaß ein sehr komplexes, nur schwer zu verarbeitendes Gesamtkunstwerk entsteht. Und doch hat der Leser am Ende einen intensiven, eindrücklichen Text gelesen, der zum Nachdenken anregt, der berührt und nahegeht. Und er hat - mit ein wenig "Lesearbeit" - Literatur als das erfahren können, was es ist, sein sollte : als Kunst.
tinius - 11. Aug, 02:47







