Lu Wenfu : Der Gourmet
Gao Xiaoting erzählt sein Leben und vor allem von seinem liebsten Haßobjekt, dem Immobilienbesitzer und Gourmet Zhu Ziye. Gaos Familie ist beinahe mittellos und darf gegen gelegentliche kleine Dienstleistungen im Pförtnerhaus von Zhu Ziye wohnen. Der Schüler Gao, zudem aufgrund der schlechten finanziellen Situation eher zur Zurückhaltung beim Esssen ermahnt nimmt die Abhängigkeit von Zhu und dessen gänzlich auf gute Mahlzeiten gerichtete Lebensführung zum Anlaß, den "Kapitalisten" abgrundtief zu hassen. denn dieser verbringt den Tag zumeist damit, sich von einer Gaststätte zur nächsten fahren zu lassen, um so in den Genuß der besten Mahlzeiten der Stadt zu kommen. Dafür hat er eigens einen Rikschafahrer, A Er engagiert. Auch Gao wird für die Nahrungsbeschaffung gelegentlich herangezogen, was dessen Abneigung nur verstärkt. 1948, nachdem Gao die Schule beendet hat, schließt er sich der kommunistischen Revolutionsarmee an, auch wenn die Auseinandersetzungen nahezu beendet sind. Als er entsprechend seinen Fähigkeiten in seiner Heimatstadt Suzhou eingesetzt werden soll, kann er wenig anderes vorweisen als seine Abneigung gegen die bürgerliche Kultur des Schlemmens, die ihm Zhu vorgelebt hat. Beinahe folgerichtig wird er zum Leiter eines berühmten Restaurants bestellt. Dort entwickelt Gao das Konzept einer Volksgaststätte, die auf einfachste und billigste Kost setzt. Andere Restaurants schließen sich nur sehr halbherzig an, doch Mißernten und Lebensmittelknappheit sorgen dafür, daß Zhu Ziye um seinen einzigen Lebensinhalt gebracht wird. Nachdem wieder bessere Zeiten anbrechen, muß Gao feststellen, daß auch die Arbeiter und Bauern auf kulinarische Genüsse legen. Sein vorsichtiges und zögerliches Umsteuern bringt ihn zunächst als politischen Abweichler in Mißkredit und führt zur Verbannung, doch dann erkennt auch die Politik, daß gute Küche nicht unwichtig ist. Nur sind inzwischen alle traditionell ausgebildeten Köche in Rente, und Gao erkennt mit Entsetzen, daß er auf das Wissen seines Erzfeindes Zhu Ziye angewiesen ist....
Das Buch ist zweierlei : Ein Lobgesang auf das genußvolle Essen und die gute (chinesische) Küche genauso wie eine bitterböse Satire auf die chinesische Politik und kleine, kaum geschulte Politkarrieristen, die unbehelligt ihr eigenes Süppchen kochen und grundlegende Entscheidungen aus persönlichen Motiven fällen. Geifernd und gehässig schildert Gao als Ich - Erzähler seinen Werdegang und den seines Widersachers Zhu, ohne anscheinend zu bemerken, daß letztendlich er derjenige ist, der zu Recht fast jede Sympathie seiner Leser verliert, nicht der von ihm so angefeindete, etwas behäbige Genußmensch Zhu. Auf 179 unterhaltsamen Seiten erfährt der Leser viel über die traditionelle regionale Küche und über vermeintlich politisches und ideologisches Handeln seit dem Sieg der Revolution in China. Zudem eignet sich das Thema Essen gut, um einen Einblick in das chinesische Alltagsleben zu gewinnen.
Das Buch ist zweierlei : Ein Lobgesang auf das genußvolle Essen und die gute (chinesische) Küche genauso wie eine bitterböse Satire auf die chinesische Politik und kleine, kaum geschulte Politkarrieristen, die unbehelligt ihr eigenes Süppchen kochen und grundlegende Entscheidungen aus persönlichen Motiven fällen. Geifernd und gehässig schildert Gao als Ich - Erzähler seinen Werdegang und den seines Widersachers Zhu, ohne anscheinend zu bemerken, daß letztendlich er derjenige ist, der zu Recht fast jede Sympathie seiner Leser verliert, nicht der von ihm so angefeindete, etwas behäbige Genußmensch Zhu. Auf 179 unterhaltsamen Seiten erfährt der Leser viel über die traditionelle regionale Küche und über vermeintlich politisches und ideologisches Handeln seit dem Sieg der Revolution in China. Zudem eignet sich das Thema Essen gut, um einen Einblick in das chinesische Alltagsleben zu gewinnen.
tinius - 11. Aug, 02:37












