Roberto Pazzi : Wer das Geheimnis erbt
Der Papst ist schwer krank und spürt, daß sein Tod nahe ist. So kommt er auf die Idee, seinem Nachfolger einen - recht umfangreichen - Brief zu hinterlassen, in dem er auf sein Leben zurückblickt, die Zwänge und Streitigkeiten der Jurie beleuchtet und nicht zuletzt die von ihm getroffenen Entscheidungen einer kritischen Betrachtung unterzieht. Im Rückblick ist er sich nicht immer sicher, den richtigen Weg gewählt zu haben oder genügend in Gang gesetzt zu haben. Und das umso mehr, als es im Vatikan verschiedene Parteien gibt, sodaß nicht gewährleistet ist, daß die von ihm angestrebte Politik von seinem ihm unbekannten Nachfolger fortgesetzt würde. Ihm, seinem Nachfolger und spirituellen Sohn, versucht er sich zu nähern, ihm die Mechanismen der Macht, die Geheimnisse des Vatikans und die aus dem Amt resultierende Einsamkeit zu erklären. Krankheit, das Interessengemenge der Kardinäle und Würdenträger und die Zwänge des geistlichen Daseins haben ihn einsam werden lassen, und selbst seine engsten Vertrauten kann er nur mit List und Bestechung dazu bringen, kleine Freiräume offen zu halten, so etwa den zeitweise recht wahllosen Fernsehkonsum oder unbehelligte Spaziergänge im Garten der Sommerresidenz "Castel Gandolfo". Und hier erscheint ihm zum ersten Mal Satan, um ihn zu versuchen. Die Rückgewinnung der Jugend ist dessen scheinbar nicht auszuschlagendes Angebot. Doch auch die Rettung ist unterwegs....
Der 2002 in Italien erschienene Roman ist ein fiktives und mit fantastischen Zutaten versehenes Portrait des jüngst verstorbenen Papstes Johannes Paul II., ohne daß dessen Name jedoch genannt würde. Zwar sind die Gedankengänge des Protagonisten eine Mischung aus Spekulation und Wunschdenken des Autors, jedoch ist Pazzi ein glaubwürdiges und menschlich nahegehendes Abbild eines Kirchenfürsten gelungen. Dessen Einsamkeit und unerfüllten Wünsche, dessen Zweifel und Reflexionen sind anschaulich und nachvollziehbar und illustrieren interessant und einfallsreich die Persönlichkeit und Gedankenwelt eines Mächtigen, eines klerikalen Würdenträgers. Der Roman arbeitet mit den Mitteln der Satire ebenso, wie mit dem Übersinnlichen, Fantastischen und einem gut recherchiert erscheinenden Realismus. Der Leser darf eine unterhaltsame, informative, spannende und bisweilen humorvolle Lektüre erwarten, die ihn bis zum Ende des Romans am Lesen halten wird. Die gewählte Perspektive des Ich - Erzählers gibt dem Autor einige Freiheiten, die Pazzi gut und glaubwürdig zu nutzen weiß.
Der 2002 in Italien erschienene Roman ist ein fiktives und mit fantastischen Zutaten versehenes Portrait des jüngst verstorbenen Papstes Johannes Paul II., ohne daß dessen Name jedoch genannt würde. Zwar sind die Gedankengänge des Protagonisten eine Mischung aus Spekulation und Wunschdenken des Autors, jedoch ist Pazzi ein glaubwürdiges und menschlich nahegehendes Abbild eines Kirchenfürsten gelungen. Dessen Einsamkeit und unerfüllten Wünsche, dessen Zweifel und Reflexionen sind anschaulich und nachvollziehbar und illustrieren interessant und einfallsreich die Persönlichkeit und Gedankenwelt eines Mächtigen, eines klerikalen Würdenträgers. Der Roman arbeitet mit den Mitteln der Satire ebenso, wie mit dem Übersinnlichen, Fantastischen und einem gut recherchiert erscheinenden Realismus. Der Leser darf eine unterhaltsame, informative, spannende und bisweilen humorvolle Lektüre erwarten, die ihn bis zum Ende des Romans am Lesen halten wird. Die gewählte Perspektive des Ich - Erzählers gibt dem Autor einige Freiheiten, die Pazzi gut und glaubwürdig zu nutzen weiß.
tinius - 11. Aug, 01:33







