Jan Kross : Die Frauen von Wesenberg oder Der Aufstand der Bürger
Berend Falck ist Hofmeister und Privatsekretär der Frau von Tiesenhausen auf dem Gut Wesenberg. Die Bürger des Ortes Wesenberg, Esten und Deutsche, behaupten, seit dem Mittelalter das Stadtrecht zu besitzen und damit nicht mehr in der Abhängigkeit des Gutes zu stehen, keine Frondienste und Abgaben leisten zu müssen. Falck, von bäuerlicher Herkunft, aber studiert, soll nun der Gutsherrin bei der Durchsetzung ihrer Interessen helfen. Falck schlägt sich allerdings auf die Seite der Bürger, denn das Studium der vorhandenen Unterlagen und sein Gerechtigkeitsgefühl machen ihm klar, daß die Ansprüche der Wesenberger Bürger berechtigt sind. Zudem hat er sich in Magdalena verliebt, die Tochter des Schusters. Die jedoch soll - und wird - den Gastwirt und Kaufmann Rosenmark heiraten. Falck treibt bald ein doppeltes Spiel, denn während er offiziell Eingaben und Briefe für die Gutsherrin verfasst, übersetzt er für die Bürger Urkunden, die deren Rechtsanspruch stützen. 1767 gelingt es ihm, den Grafen Sievers als Verbündeten zu gewinnen. Dieser war einst ein Leibeigener der Familie von Tiesenhausen, gelangte dann aber durch die Zarin Elisabeth zu Ansehen, Einfluß und Adelstitel. Graf Sievers protegiert die Stadt und deren Rechtsauffassung, zumal die Schusterstochter seine Nichte ist. Doch mit dem Tod des Grafen endet der Schutz, die Stadt wird der Familie von Tiesenhausen zugesprochen. Rosenmark, der nun keine finanziellen Wohltaten mehr zu erwarten hat, läßt sich von Magdalena scheiden, sodaß Falck nun mit ihr zusammen Wesenberg verlassen kann.
Falck ist kein Held, auch wenn er Position gegen die angemaßte Autorität bezieht, sondern es treten List, Liebe, und langwieriges Prozedere an die Stelle von Heldentum. Es ist ein interessanter und lebendiger historischer Roman. Politik und Liebe illustrieren die estnischen Lebensumstände in den sechziger und siebziger Jahren des 18. Jahrhunderts und spiegeln gleichzeitig die Machtverhältnisse des zur Entstehungszeit des Buches noch zur Sowjetunion gehörenden Estlands. Kross, der den historischen Roman zu seinem Genre gemacht hat, vermag zu fesseln und zu faszinieren. Der Verzicht auf Helden und Heldentaten läßt die Personen sympathisch und lebensnah wirken. Der deutsche Titel allerdings mag in die Irre führen.
Falck ist kein Held, auch wenn er Position gegen die angemaßte Autorität bezieht, sondern es treten List, Liebe, und langwieriges Prozedere an die Stelle von Heldentum. Es ist ein interessanter und lebendiger historischer Roman. Politik und Liebe illustrieren die estnischen Lebensumstände in den sechziger und siebziger Jahren des 18. Jahrhunderts und spiegeln gleichzeitig die Machtverhältnisse des zur Entstehungszeit des Buches noch zur Sowjetunion gehörenden Estlands. Kross, der den historischen Roman zu seinem Genre gemacht hat, vermag zu fesseln und zu faszinieren. Der Verzicht auf Helden und Heldentaten läßt die Personen sympathisch und lebensnah wirken. Der deutsche Titel allerdings mag in die Irre führen.
tinius - 11. Aug, 00:53













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