Thomas Stangl : Der einzige Ort
Der Roman beschäftigt sich mit den Reisen zweier Entdecker in das sagenumwobene Timbuktu. Im Mittelpunkt stehen zum einen die Expedition des britischen Majors Alexander Gordon Laing, der sich 1826 - uniformiert und als Vertreter des britischen Empires von Tripolis aus auf den Weg macht, zum anderen der Franzose René Caillé, der auf eigene Faust, nur unzureichend mit finanziellen Mitteln ausgestattet und als Moslem verkleidet, die Stadt im Jahre 1828 zu erreichen sucht. Doch für beide wird es nicht einfach. Laing hat schon Schwierigkeiten, von Tripolis aufzubrechen, denn die Abreisetermine, bei denen er auf die Leitung einheimischer Karawanenführer angewiesen ist, verschieben sich immer wieder. Auch die Finanzierung bleibt lange Zeit unsicher. So reicht die Zeit, sich in die Tochter des britischen Konsuls zu verlieben und sie zu heiraten, ohne daß allerdings die Ehe vor dem kirchlichen Segen vollzogen werden dürfte. Den soll er nach seiner Rückkehr nach Großbritannien erhalten. Caillé dagegen hat zunächst weniger Probleme. Ihm gelingt es, sich mittels einer erfundenen Geschichte über seine Versklavung durch die Europäer die Hilfe und Gastfreundschaft der arabischen Fürsten und Kaufleute zu sichern, sodaß seine Reise vom Senegal gut vorankommt. Ob diese Fiktion aber wirklich vorbehaltlos geglaubt wird, bleibt eher zweifelhaft. Eine Infektion und Skorbut jedoch lassen seine Reise beinahe scheitern. Nur mühsam erholt er sich und bleibt auf dem Rest seines Weges ziemlich geschwächt und gesundheitlich angegriffen. Nachdem Laing endlich aufbrechen kann, kommt er gut voran. Doch bevor er das Ziel erreichen kann, wird er von Tuaregs angegriffen und schwer verletzt. Auch er hat Mühe, wieder auf die Beine zu kommen und sein Ziel zu erreichen. Schließlich erreichen beide (im Abstand von zwei Jahren) Timbuktu und durchstreifen die Stadt, die ihnen so verlockend erschienen war. Doch die Realität hat mit den Legenden und Berichten wenig gemein....
Der Autor hat es dem Leser nicht einfach gemacht. Etwas mehr als vierhundert engbedruckte Seiten, nur wenige Unterteilungen in Kapitel, ein nahezu vollständiges Fehlen von Absätzenverlangen dem Leser ein hochkonzentriertes Lesen ab. Auch der Satzbau ist komplex - strukturiert. Häufige Einschübe in Klammern und das Aneinanderreihen von Sätzen in Semikola hemmen - gewollt - den Lesefluß. Jedoch trägt diese Art des syntaktischen Aufbaus zugleich zu einer Intensivierung des Textes bei. Manches Mal wirkt der Stil, als schabe der Text Schicht um Schicht die Oberfläche weg und lege die Protagonisten bis auf die Nerven, die Traumbilder der Stadt Timbuktu bis auf die - recht schäbige Wirklichkeit bloß. Stangl, der sich intensiv mit dem Thema auseinandersetzte, vermag es, afrikanische Geschichtsschreibung, arabische und europäische Reiseberichte und Ausblicke auf die Zukunft des Kolonialismus in Afrika so in den Text einzubetten, daß dem Leser der große Zusammenhang - historisch und politisch - erkennbar wird, und bleibt dennoch immer nahe an den Leidenserfahrungen seiner Figuren. Denn ihre Expeditionen sind nichts anderes als Leiden, Krankheit, Mißtrauen und Enttäuschungen. Nur einer der Entdecker überlebt die Reise - allerdings nur um wenige Jahre. Und beide mußten feststellen, daß die europäische Legende über die Stadt Timbuktu falsch gewesen ist, daß der erwartete Reichtum der Stadt, das gute Aussehen, die Bildung und die Freundlichkeit der Einwohner nicht vorhanden oder bestenfalls historische Tatsachen waren, die von der Entwicklung längst eingeholt worden waren. Eine der Inspirationsquellen Stangls war Jorge Luis Borges' Erzählung : "Der Unsterbliche". Und nicht zuletzt an diesem Punkt wird deutlich, daß Stangl immer die Ebene der Literatur und der "Erzählung" als einen Bezugsrahmen benutzt. Sein Roman folgt wie so viele andere Texte dem Urmuster einer "Reise ans Ende der Welt" und dessen Gesetzmäßigkeiten. "Der einzige Ort" ist ein ziemlich komplexer Roman, der eines geübten und geduldigen Lesers bedarf, diesem aber durchaus Befriedigung und eine interessante, hochliterarische Lektüre garantiert.
Der Autor hat es dem Leser nicht einfach gemacht. Etwas mehr als vierhundert engbedruckte Seiten, nur wenige Unterteilungen in Kapitel, ein nahezu vollständiges Fehlen von Absätzenverlangen dem Leser ein hochkonzentriertes Lesen ab. Auch der Satzbau ist komplex - strukturiert. Häufige Einschübe in Klammern und das Aneinanderreihen von Sätzen in Semikola hemmen - gewollt - den Lesefluß. Jedoch trägt diese Art des syntaktischen Aufbaus zugleich zu einer Intensivierung des Textes bei. Manches Mal wirkt der Stil, als schabe der Text Schicht um Schicht die Oberfläche weg und lege die Protagonisten bis auf die Nerven, die Traumbilder der Stadt Timbuktu bis auf die - recht schäbige Wirklichkeit bloß. Stangl, der sich intensiv mit dem Thema auseinandersetzte, vermag es, afrikanische Geschichtsschreibung, arabische und europäische Reiseberichte und Ausblicke auf die Zukunft des Kolonialismus in Afrika so in den Text einzubetten, daß dem Leser der große Zusammenhang - historisch und politisch - erkennbar wird, und bleibt dennoch immer nahe an den Leidenserfahrungen seiner Figuren. Denn ihre Expeditionen sind nichts anderes als Leiden, Krankheit, Mißtrauen und Enttäuschungen. Nur einer der Entdecker überlebt die Reise - allerdings nur um wenige Jahre. Und beide mußten feststellen, daß die europäische Legende über die Stadt Timbuktu falsch gewesen ist, daß der erwartete Reichtum der Stadt, das gute Aussehen, die Bildung und die Freundlichkeit der Einwohner nicht vorhanden oder bestenfalls historische Tatsachen waren, die von der Entwicklung längst eingeholt worden waren. Eine der Inspirationsquellen Stangls war Jorge Luis Borges' Erzählung : "Der Unsterbliche". Und nicht zuletzt an diesem Punkt wird deutlich, daß Stangl immer die Ebene der Literatur und der "Erzählung" als einen Bezugsrahmen benutzt. Sein Roman folgt wie so viele andere Texte dem Urmuster einer "Reise ans Ende der Welt" und dessen Gesetzmäßigkeiten. "Der einzige Ort" ist ein ziemlich komplexer Roman, der eines geübten und geduldigen Lesers bedarf, diesem aber durchaus Befriedigung und eine interessante, hochliterarische Lektüre garantiert.
tinius - 11. Aug, 00:44













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