Cees Nooteboom : Allerseelen
Arthur Daane, niederländischer Dokumentarfilmer und Kamera, lebt kurz nach der Wiedervereinigung in Berlin. Hier hat er, nachdem seine Frau und sein Sohn bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kamen, so etwas wie eine neue Heimat gefunden. Und auch einen Freundeskreis, mit dem er bei Lokalbesuchen und gemeinsamen Essen sich austauschen kann. Und doch ist in ihm eine Unruhe geblieben, immer wieder streift er zu Fuß durch die Stadt und filmt Eindrücke, Bilder, die rhapsodisch aneinandergereiht, einmal ein ganzes Werk ergeben sollen. Ihn beschäftigt immer wieder die Vergangenheit, seine persönliche, also der Tod seiner Familie, wie auch die der Hauptstadt, des Landes, in dem er lebt, und des Landes, aus dem er stammt. Vergänglichkeit und Vergangenheit sind die Themen, die seine Gedanken und Gespräche prägen und die sein Filmschaffen beeinflussen. In einem Café trifft er zufällig auf die junge Elik, die gerade an ihrer Doktorarbeit über eine Königin des spanischen Mittelalters arbeitet. Als sie sich wiederbegegnen, beginnt eine komplizierte Liebesgeschichte, die durch immer wiederkehrende Rückzugsbewegungen gekennzeichnet ist. Elik hat seit einer Mißhandlung in der Kindheit Schwierigkeiten, Nähe und Vertrauen zuzulassen, und Arthur, verunsichert durch ihr Verhalten, nimmt immer wieder Aufträge an, die ihn ins Ausland führen. Als er eines Tages zurückkommt, hat Elik die Zelte in Berlin abgebrochen und ist für Nachforschungen nach Spanien gereist. Nicht jedoch, ohne eine Spur zu hinterlassen, die Arthur zu ihr führen könnte....
"Allerseelen" ist ein schwieriges und anspruchsvolles Buch, dessen Bezugsrahmen von Homers Odyssee über Hegelsche Geschichtstheorie bis zur Metaphysik reicht. Bedächtig und eher langsam erzählt, steht die Liebesgeschichte zwischen Arthur und Elik nur vordergründig im Mittelpunkt des Romans. Zentraler ist die Fragestellung nach dem Vergangenen, der Geschichte und deren möglicher Bewahrung durch den Menschen und die Kunst. Nicht zufällig ausgewählt sind die Gesprächspartner, der Philosoph Arno Tieck - ein Porträt von Rüdiger Safranski -, der Bildhauer Victor Leven und die Physikerin Zenobia Stejn. Neben seiner persönlichen Vergangenheit, der Tod von Frau und Kind, beschäftigt Arthur immer wieder die Frage, wie er durch (Film -) Kunst Gegenwart bewahren kann, bzw., ob er das überhaupt kann. Und das umso mehr, als er sich in Berlin, einer Stadt mit einer vielschichtigen Vergangenheit bewegt (Nationalsozialismus, Weltkrieg, Teilung), die die Gegenwart vehement beeinflussen. Und auch die historischen Beziehungen zwischen seinem Geburtsland Niederlande und seiner neuen Heimat Deutschland sind ja nicht unproblematisch. Das Lesen dieses Romans braucht Zeit und den Willen, sich auf den ständigen Diskurs der Vergangenheit und Geschichte einzulassen, sich selbst Fragen zu diesem Thema zu stellen und geduldig die Entwicklung der Handlung und Charaktere abzuwarten. Für mich war dieses Buch eine Bereicherung, sprachlich und gedanklich ein Hochgenuß - zumindest, soweit ich den Überlegungen folgen konnte...
"Allerseelen" ist ein schwieriges und anspruchsvolles Buch, dessen Bezugsrahmen von Homers Odyssee über Hegelsche Geschichtstheorie bis zur Metaphysik reicht. Bedächtig und eher langsam erzählt, steht die Liebesgeschichte zwischen Arthur und Elik nur vordergründig im Mittelpunkt des Romans. Zentraler ist die Fragestellung nach dem Vergangenen, der Geschichte und deren möglicher Bewahrung durch den Menschen und die Kunst. Nicht zufällig ausgewählt sind die Gesprächspartner, der Philosoph Arno Tieck - ein Porträt von Rüdiger Safranski -, der Bildhauer Victor Leven und die Physikerin Zenobia Stejn. Neben seiner persönlichen Vergangenheit, der Tod von Frau und Kind, beschäftigt Arthur immer wieder die Frage, wie er durch (Film -) Kunst Gegenwart bewahren kann, bzw., ob er das überhaupt kann. Und das umso mehr, als er sich in Berlin, einer Stadt mit einer vielschichtigen Vergangenheit bewegt (Nationalsozialismus, Weltkrieg, Teilung), die die Gegenwart vehement beeinflussen. Und auch die historischen Beziehungen zwischen seinem Geburtsland Niederlande und seiner neuen Heimat Deutschland sind ja nicht unproblematisch. Das Lesen dieses Romans braucht Zeit und den Willen, sich auf den ständigen Diskurs der Vergangenheit und Geschichte einzulassen, sich selbst Fragen zu diesem Thema zu stellen und geduldig die Entwicklung der Handlung und Charaktere abzuwarten. Für mich war dieses Buch eine Bereicherung, sprachlich und gedanklich ein Hochgenuß - zumindest, soweit ich den Überlegungen folgen konnte...
tinius - 11. Aug, 00:39








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