Lars Saabye Christensen : Der Halbbruder
Der Roman ist eine Familiengeschichte über drei Generationen, erzählt von Barnum Nilsen. Am Tag der deutschen Kapitulation wird die zwanzigjährige Vera auf dem Trockenboden ihres Hauses von einem Unbekannten vergewaltigt. Sie bringt - unterstützt von ihrer etwas schrulligen Großmutter, einer ehemaligen Schauspielerin zu Stummfilmzeiten, und ihrer Mutter, einer zupackenden und resoluten Telefonistin - einen Sohn zur Welt : Fred. Diese außergewöhnliche Familie wird von den Nachbarn und den offiziellen Stellen mißtrauisch beobachtet, zumal Vera den Vater des Kindes nicht identifizieren kann. Die Situation entspannt sich nur wenig, als Vera den kleinwüchsigen Arnold Nilsen heiratet, denn der ist ein Blender und Angeber, der immer nur sporadisch anwesend ist, auch als Barnum, der zweite Sohn zur Welt gekommen ist. Fred versagt in der Schule, erringt zweifelhaften Ruf als Halbstarker und verachtet seinen Stiefvater. Barnum dagegen findet enge Freunde, die ihn auf seinem Lebensweg begleiten werden. Barnum bewundert seinen wortkargen, mürrischen Bruder, liebt ihn und wetteifert mit ihm, doch dann verschwindet Fred.
Christensens Figuren sind keine Helden, sondern wurschteln sich mühevoll durchs Leben, gefangen von der Vergangenheit. Der Roman ist von Melancholie geprägt, aber immer wieder auch komisch, manchmal derb. Obwohl einige der Hauptpersonen scheitern, alkoholkrank werden oder sogar ganz verschwinden, bleibt der Blick des Autors warmherzig und mitunter heiter. Es gelingt Christensen, einmal gesponnene Fäden immer wieder zu verknüpfen und verschiedene Leitmotive zu einem komplexen Ganzen zu verweben. Eines dieser Motive lautet : " Die Welt will betrogen werden", und so kann auch der Leser niemals vollkommen sicher sein, ob dem Erzähler Barnum nicht gerade die Fantasie durchgeht. Es war eine fesselnde, bewegende Lektüre, die ich nur weiterempfehlen kann.
Christensens Figuren sind keine Helden, sondern wurschteln sich mühevoll durchs Leben, gefangen von der Vergangenheit. Der Roman ist von Melancholie geprägt, aber immer wieder auch komisch, manchmal derb. Obwohl einige der Hauptpersonen scheitern, alkoholkrank werden oder sogar ganz verschwinden, bleibt der Blick des Autors warmherzig und mitunter heiter. Es gelingt Christensen, einmal gesponnene Fäden immer wieder zu verknüpfen und verschiedene Leitmotive zu einem komplexen Ganzen zu verweben. Eines dieser Motive lautet : " Die Welt will betrogen werden", und so kann auch der Leser niemals vollkommen sicher sein, ob dem Erzähler Barnum nicht gerade die Fantasie durchgeht. Es war eine fesselnde, bewegende Lektüre, die ich nur weiterempfehlen kann.
tinius - 11. Aug, 00:37







