Zoran Drvenkar : Du bist zu schnell

Valerie steckt in ernsten Schwierigkeiten. Nach einem zu hohen Cannabis - Konsum beginnt sich ihre Wahrnehmung zu verändern. Die Abläufe um sie herum verlangsamen sich extrem. Dennoch sieht sie vereinzelte Personen, die eine normale Geschwindigkeit beibehalten - die "Schnellen". Man diagnostiziert den Ausbruch einer Psychose, und folgerichtig landet sie in der Psychiatrie. Erst nachdem sie auf Psychopharmaka eingestellt ist, kann sie entlassen werden. Aber wirklich lassen von den Drogen kann und will sie nicht, vernachlässigt ihre Medikation, sodaß weitere psychotische Ausbrüche folgen. Und wieder bringt sie das in die Psychiatrie. Zurück im normalen Leben erlebt sie weitere Verlangsamungen, doch diesmal wird sie von einer "Schnellen" gewarnt, weiterhin in diese Welt einzudringen : jeder psychotische Schub würde sie kosten. Was das heißt, erfährt sie nur alzu bald. Ein Freund, der versucht hat, ihr beizustehen, wird ermordet. Sie zieht nach Kassel, besorgt sich unter Vorwänden stärkere Psychopharmaka, da die alten kaum noch den Ausbruch der Psychose verhindern können, studiert und verliebt sich in Marek. Der weiß zunächst nichts von den Vorgängen um Valerie und erträgt einige ihrer unerklärlichen Ausbrüche. Als er auf verschiedenste Pillen stößt und gar mit diesen einen Selbstversuch startet, ist eine Erklärung fällig - und es scheint, daß er ihr glaubt. Alles geht gut, bis Valerie Besuch von ihrer ehemaligen Freundin Jenni erhält. Beide recherchieren im Internet nach den "Schnellen" und scheinen fündig zu werden. Doch dann findet Marek Jenni tot in Valeries Badezimmer, der Computer und etliche Ausdrücke sind verschwunden. Als sie beschließen, die tote Jenni zu ihrem Freund Theo zu bringen, finden sie einen - widerstrebenden - Verbündeten.
Doch nun beginnt der Kampf mit den "Schnellen", und es plötzlich gar nicht mehr klar, wer zu wem gehört....

Zoran Drvenkar, der vorher vor allem mit Jugendbüchern in Erscheinung getreten ist, hat einen spannenden und mehrdeutigen Roman geschrieben, der sich auf der Grenze zwischen Psychothriller und Gruselschocker bewegt. Denn er läßt offen, ob es die "Schnellen" wirklich gibt oder ob nicht doch psychotische Schübe Valeries zu grausamen Gewalttaten führen. Und auch der Leser, der alsbald seine Sympathie für die Protagonistin entwickelt, mag wohl nicht wirklich daran glauben, daß Valeries Wahrnehmungen Ausgeburten ihres Wahnes sind. Gekonnt wechselt der Autor zwischen den verschiedenen Erzählperspektiven seiner Protagonisten, ohne damit eine endgültige Festlegung zu forcieren. Diese Mehrdeutigkeit erhöht den Reiz des Romans, macht ihn einem gewöhnlichen Krimi einerseits und den Romanen S. Kings andererseits haushoch überlegen. Wer also spannende Unterhaltung und Nervenkitzel auf recht hohem literarischen Niveau sucht, ist mit diesem Roman gut beraten.

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