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    <title>ReadingEase</title>
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    <dc:publisher>tinius</dc:publisher>
    <dc:creator>tinius</dc:creator>
    <dc:date>2008-05-15T16:22:41Z</dc:date>
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    <title>ReadingEase</title>
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    <title>Juri Rytchëu verstorben</title>
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    <description>Im Alter von 78 Jahren ist in St. Petersburg der russische Autor Juri Rytchëu verstorben. Er galt als einer der bedeutendsten Schriftsteller der indigenen Völker Rußlands. Juri Rytchëu wurde 1930 in Uëlen auf der sibirischen Halbinsel Tschukotka als Sohn eines Jägers geboren. Seine Familie und er gehörten dem etwa 12000 Menschen zählenden Volk der Tschukschen an, die vor allem als Jäger  und nomadische Rentierzüchter ihr Leben fristeten, allerdings nach dem Zweiten Weltkrieg zwangskollektiviert wurden und damit ihre ursprünglichen sozialen Strukturen verloren. Insbesondere Schamanen gerieten zum Feindbild der damaligen Sowjetunion. Nach dem Besuch eines regionalen Lehrerkonvents ging Juri Rytchëu nach Anadyr, die Hauptstadt dieser Region und arbeitete für die Zeitung Sowjetskaja Tschukotka. 1949 ging er nach Leningrad und begann ein Studium der Philiologie, das er 1954 beendete. Bereits Mitte der fünfziger Jahre veröffentlichte Rytchëu erste Erzählungen in sowjetischen Literaturzeitschriften. Seine Texte waren zunächst mehr oder weniger regimetreu, sein Stil dem Sozialistischen Realismus verhaftet. Ende der fünfziger Jahre erschien sein erster Roman &quot;Abschied von den Göttern&quot;, in dem er die Auflösung der traditionellen Strukturen und den Weg der Tschukschen in die sozialistische Zivilisation als unumgängliche Notwendigkeit beschrieb. Diese frühen Werke, alle in russischer Sprache verfasst, widmeten sich ausschließlich dieser auch von der Regierung propagierten zivilisatorischen Entwicklung. Dennoch vermittelten auch diese Texte ein realistisches Bild des Alltags und der Traditionen seines Volkes, wie er sie selbst erlebt hatte. Erst nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurden seine Bücher kritischer und reflektierten u.a. auch über das Klischee des &quot;Eingeborenen&quot;. Weiter allerdings stand die Schilderung des Lebens der Tschukschen im Mittelpunkt seiner Schriften. Zu seinen bekanntesten Werken, die zumeist auch in deutscher Übersetzung - im Schweizer Unionsverlag - vorliegen, gehören u.a. die Ausgestaltung des Schöpfungs - und Menschheitsentstehungsmythos der Tschukschen &quot;Wenn die Wale fortziehen&quot;, der Roman &quot;Traum im Polarnebel&quot;, &quot;Der letzte Schamane&quot;, in dem er die Geschichte seiner Familie von der mythischen Entstehung der Menscheit bis zu seiner Generation schildert, der autobiographische Text &quot;Im Spiegel des Vergessens&quot; oder der Roman &quot;Die Reise der Anna Odinzowa&quot;, in dem er das Aufeinandertreffen einer Ethnologin und des von ihr beobachteten Volkes kritisch beleuchtet. Literarisch beeinflußt sah sich Juri Rytchëu vor allem von den russischen Klassikern wie Tschechow, Turgenjew, Tolstoi, aber auch von Maxim Gorki. Geschätzt wurden seine klare Sprache und die literarische Dichte seiner Bücher.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:creator>tinius</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://readingease.twoday.net/topics/Nachrufe&quot;&gt;Nachrufe&lt;/a&gt;</dc:subject>
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    <dc:date>2008-05-14T18:01:00Z</dc:date>
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    <title>Nuala O&apos;Faolain verstorben</title>
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    <description>Im Alter von 68 Jahren ist die Journalistin, Schriftstellerin und Feministin Nuala O&apos;Faolain am 9. Mai 2008 an einem Lungenkrebsleiden in Dublin verstorben. Eine Behandlung mit lebensverlängernden Chemotherapeutika lehnte sie ab und reiste stattdessen mit Freunden durch Europa. Nuala O&apos;Faolain wurde 1940 in Dublin als Tochter eines bekannten irischen Journalisten geboren. Sie war das zweitälteste Kind von insgesamt neun Geschwistern. Sie besuchte zunächst katholische Privatschulen und, da sie nicht selten gegen Regeln verstieß, später ein katholisches Internat. Nach ihrem Studium an der Universität von Hull und der Oxford University, unter anderem machte sie Abschlüsse in den Fächern Mittelalterliche Literatur und Literatur des neunzehnten Jahrhunderts, arbeitete sie unter anderem als Dozentin für Medienwissenschaften und als Fernsehproduzentin für die BBC. Zeitgleich verfasste sie Buchrezensionen für die renommierte Zeitung &quot;The London Times&quot;. In den neunziger Jahren wurde sie Kolumnistin der Zeitung &quot;The Irish Times&quot;. Ihre Kolumnen fanden schnell Anerkennung, und Nuala O&apos;Faolain wurde bald als Journalistin des Jahres ausgezeichnet. Neben ihren Kolumnen veröffentlichte sie Beiträge über Europa, Afrika und die USA. Als ein Verleger ihre Kolumnen als Buch veröffentlichen wollte, wuchs sich ihre Arbeit an einem Vorwort zu einem umfangreichen autobiographischen Text aus, in dem sie die Alkoholkrankheit ihrer Mutter, ihre eigene Sucht, ihre lesbische Beziehung zu einer anderen Journalistin beschrieb und die Nichterfükkung von an sie gestellten oder von ihr selbst gehegten Erwartungen thematisierte. Nach einem Fernsehinterview wurde das Buch &quot;Nur nicht unsichtbar werden&quot; unversehens zu einem Bestseller. Später veröffentlichte sie mit &quot;Sein wie das Leben&quot; einen zweiten autobiographischen Band. Ein häufig wiederkehrendes Thema in ihren Texten war ihre Kinderlosigkeit. International bekannt wurde sie mit dem Roman &quot;Ein alter Traum von Liebe&quot;, den in Deutschland Elke Heidenreich in ihrer Sendung &quot;Lesen!&quot; vorstellte. Während sie an diesem Roman schrieb,  lebte sie in Manhattan, New York.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:creator>tinius</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://readingease.twoday.net/topics/Nachrufe&quot;&gt;Nachrufe&lt;/a&gt;</dc:subject>
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    <dc:date>2008-05-12T20:01:00Z</dc:date>
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    <title>Connie Palmen : Luzifer</title>
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    <description>&lt;img src=&quot;http://static.twoday.net/readingease/images/luzipalm.jpg&quot; align=&quot;left&quot; hspace=&quot;5&quot; /&gt;Im Sommer 1981 reisen der niederländische Komponist Lucas Loos und seine Freundin Clara Wevers mit ihrem gemeinsamen Sohn Quint und in Begleitung von Claras Freundin Bella und deren Sohn auf eine griechische Insel. Die Beziehung von Lucas und Clara ist ziemlich zerrüttet, jede Gelegenheit taugt für einen heftigen Streit. Aber auch die Grundlagen stehen infrage, denn eigentlich ist Lucas homosexuell, und auch in Griechenland kann er es nicht lassen, Männer - selbst in Claras Anwesenheit - zu becircen. Bella ist in dieser Situation auch keine wirkliche Hilfe, denn zwischen beiden Frauen kam es ebenfalls zu Auseinandersetzungen. An einem Abend, Bella liegt im Bett und Lucas kümmert sich engagiert um zwei amerikanische Touristen, stürzt Clara von einer Terrassenbrüstung in die Tiefe und ist tot. Niemand der Anwesenden hat das Unglück beobachtet und dementsprechend widersprüchlich und ungenau sind die Aussagen, die Lucas und Bella am Telefon ihren gemeinsamen Freunden machen. Der Freundeskreis, ein Zirkel von Schriftstellern, Musikern, Komponisten und Intellektuellen ist fassungslos. In Amsterdam macht man sich daran, Näheres zu ergründen, und kommt bald auf den Verdacht, der Komponist, zu dem beinahe alle ein eher schwieriges Verhältnis haben, da dieser als widersprüchlich, arrogant, verletzend und unnahbar gilt, habe bei dem Sturz nachgeholfen. Eine eifrige Spurensuche beginnt, Äußerungen und Werk des Komponisten werden eifrig auf Vorankündigungen und Indizien abgeklopft. Und es nimmt kaum Wunder, wenn diese Suche immer wieder neue Hinweise auf Lucas&apos; Verstrickung in diesen Todesfall findet. Ruhelos hatte Lucas Loos immer wieder nach der absoluten Wahrheit gesucht, hatte diese kompromißlos verteidigt, bis er sie selbst für korrumpiert hielt und sie dann ebenso heftig angriff. Von der Religion über das Okkulte, vom Sozialismus Castros bis zum Maoismus schien er eine Heimat gefunden zu haben, die dann doch nicht dauerhaft taugte. In seinen Kompositionen vollzieht sich eine ähnliche Entwicklung : geprägt von der Zwölftonmusik Schönbergs wendet er sich im Laufe der Jahre vehement gegen das Atonale und sucht sein Heil in der Harmonie. Auch die serielle Musik ist nur ein bald heftig abgelehnter Zwischenschritt. Und auch er selbst, Gegner jeglicher Ambivalenz, ist in Wirklichkeit in mancher Beziehung durchaus selbst ambivalent. So ist er homosexuell, dennoch mit einer Frau zusammen, mit der er einen Sohn gezeugt hat. Erst der Tod Claras löst diese Ambivalenz auf. Schnell entsteht ein Indiziengebäude gegen den Komponisten, eigentlich nur aus dem Bedürfnis heraus, Claras Tod einen Sinn zu geben und damit die Trauer und Fassungslosigkeit zu kanalisieren. Allerdings spielt Clara selbst und ihre Rolle in der Beziehung kaum eine Rolle. Clara, die auf eine Karriere als Schauspielerin verzichtet hat, um diese Beziehung zu führen, ist eigentlich depressiv, schwach und selbstmitleidig, wie aus ihren Briefen und Tagebüchern hervorgeht, die einer ihrer Freunde posthum vernichten soll. Doch der Freundeskreis hat sich in die Verdächtigungen zu tief hineingesteigert, um solche - entlastenden - Details wahrzunehmen. Allein die Pädagogin Puck, eine kleinwüchsige, grauhaarige, aber äußerst kluge und aktive Frau verfügt über genug Menschenkenntnis und Verstand, um Lucas anders wahrzunehmen und die Waghalsigkeit der geäußerten Verdächtigungen zu erkennen. Doch auch obwohl der Tod Claras nie aufgeklärt wird, ist das Zerwürfnis zwischen Lucas und den Freunden nicht mehr aufzuhalten. Selbst vierundzwanzig Jahre nach Claras Tod sind Lucas und die geheimnisvollen Umstände des Unfalls immer noch Gesprächsthema, und die Autorin (Connie Palmen) - durch ein zufälliges Treffen mit den ehemaligen Freunden von Lucas an die damalige Todesanzeige mit dem Sinnspruch : &quot;Unser Engel ist gefallen&quot; erinnert - beginnt, den damaligen Ereignissen nachzuspüren, um einen Roman zu schreiben. Ein Gespräch mit den Freunden von Lucas und Clara soll Einzelheiten zutage fördern... .&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Niederlanden hat dieser neue Roman von Connie Palmen gleich zweifach Aufsehen erregt : zum einen wurde er wegen seiner literarischen Qualitäten und der klugen Konstruktion gelobt, zum anderen aber warf man der Autorin vor, mit diesem Buch Rufmord an Peter Schat, der realen Vorlage zur Figur des Lucas Loos begangen zu haben. Einer der Freunde des inzwischen verstorbenen Komponisten begründete das weniger mit der Existenz dieses Schlüsselromans, in dem auch andere Personen der niederländisch - flämischen Kultur wie Harry Mulisch oder Hugo Claus deutlich identifizierbar sind, sondern damit, daß Connie Palmen den Schlüssel zu diesem Roman gleich mitgeliefert habe, indem sie nicht nur die Vorbilder von Lucas und Clara benannte, sondern mittels einer Literaturliste, die auch in der deutschsprachigen Ausgabe angefügt wurde, andere Personen konkret erkennbar machte. In der Tat ist dieser Roman ein Schlüsselroman, der auf reale Vorkommnisse und Personen äußerst detailliert Bezug nimmt. Natürlich dürfte es kulturbeflissenen Niederländern etwas leichter fallen, die dem Buch immanenten Bezüge (wieder)herzustellen als dem deutschen Lesepublikum, doch sind auch für uns - spätestens in Zeiten des Internets - die realen Gegebenheiten eruierbar. Allerdings greift diese vehemente Schelte denn doch um einiges zu kurz. Connie Palmens Mischung aus Fakten und Fiktion, die sich um den tragischen Tod der Lebensgefährtin Peter Schats 1981 und vor allem um die Person des Komponisten selbst - &quot;Luzifer&quot; - rankt, macht immer wieder einen postmodernen Subtext deutlich, der auf Lyotards Äußerung zurückgeht, es gebe keine Wirklichkeit, allenfalls Bedeutungen und Interpretationen, sodaß man die Wirklichkeit den Erzählungen und Romanen überlassen könne. Und so sind eben die Indizien, die der Freundeskreis gegen den Komponisten im Roman zusammenträgt, genauso Interpretation bzw. Fiktion wie der Roman selbst. Möglich, daß dies auch das Bundesverfassungsgericht im Falle Connie Palmens anders entscheiden würde als in einem anderen, deutschen Fall. Unzweifelhaft allerdings ist, daß in diesem Roman neben Tod und Trauer(bewältigung) vor allem Lucas Loos im Mittelpunkt des Romans steht. Er ist &quot;Luzifer&quot;, titelgebend, durch den formalen Aufbau und die Charaktergestaltung, die mit dem Bezug zum gleichnamigen Drama des niederländischen Barockdichters Joost van den Vondel, weitere eindeutige Hinweise geben, und das dem Roman vorangestellte Motto &quot;But what&apos;s confusing you is just the nature of the game&quot; &lt;i&gt;(Sympathy for the Devil, Rolling Stones)&lt;/i&gt; thematisiert. In dem fünfaktigen Drama aus dem Jahr 1654, das formal klassischen Idealen folgt und etwa Chor und Gegenchor aufweist, in Alexandrinern verfasst wurde, fühlt sich Luzifer, der &quot;Vizekönig Gottes&quot; in seiner Eitelkeit gekränkt, als die Menschen den Engeln bevorzugt werden. in seiner Selbsttäuschung meint er, nicht nur zu seinem, sondern auch zu Gottes Wohl sich dagegen auflehnen zu müssen, bis er aus dem Himmel vertrieben wird, also der Gefallene Engel ist. Es ist also auch in Connie Palmens Roman Lucas der gefallene Engel, der aus dem Paradies - dem Freundeskreis und Intellektuellenzirkel verstoßen wird. Wie der &quot;Luzifer&quot; des Dramas schätzt er sich falsch ein, glaubt an absolute Wahrheiten und an das eigene absolute Wesen, das so überhaupt nie vorhanden war, allenfalls in seiner Funktion als Schöpfer künstlerischer Werke, nicht aber im Umgang mit anderen Menschen. Dennoch prügelt er auf Freunde ein, die seiner eigenen, zeitweiligen Wahrheit nicht folgen wollen, auf ihren eigenen Wahrheiten bestehen. Daß das zwischenmenschlich letztendlich zur Katastrophe führen muß, ist ausrechenbar. Puck, die kluge und sympathische Menschenkennerin vergleicht - nicht zu Unrecht - Lucas Verhalten mit dem eines Kindes, das von Relativierungen nichts weiß. Ein tragischer Aspekt mag sein, daß etwa das Absolute im Schöpfungsprozeß, das den Künstler aus den Sphären der &quot;gewöhnlichen&quot; Menschen ins Genialische entfernt, spätestens mit der Beendigung des Werkes den Interpretationen des Publikums ausgesetzt ist, somit jegliche Absolutheit einbüßt, ein Vorgang, der natürlich auch Connie Palmen als Schriftstellerin und ihren Roman betrifft - jedoch weiß sie darum und thematisiert gerade dies in ihrem Buch. Der Roman ist gerade wegen der Auseinandersetzung mit dem durchaus faszinierenden Charakter Lucas Loos interessant und spannend zugleich, wenn auch das Fehlen einer fortlaufenden Handlung wenigsten phasenweise das Buch etwas sperrig erscheinen läßt. Denn die Geschichte bietet nur wenig mehr als die Indiziensuche und die Gespräche darüber. Der Leser muß sich also auf die Erforschung und Erarbeitung des Hauptcharakters und selbstverständlich auch der Nebenfiguren einlassen wollen und können, um dieses kluge und vielschichtige Werk genießen zu können : dann aber kommt er mit Sicherheit auf seine Kosten.</description>
    <dc:creator>tinius</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://readingease.twoday.net/topics/Niederlande&quot;&gt;Niederlande&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 tinius</dc:rights>
    <dc:date>2008-05-09T03:21:00Z</dc:date>
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    <title>Paul Verhaeghen erhält den Independent Foreign Fiction Prize 2008</title>
    <link>http://readingease.twoday.net/stories/4917037/</link>
    <description>Einen ungewöhnlichen Erfolg hatte der belgische Autor Paul Verhaeghen mit seinem Roman &quot;&lt;a href=&quot;http://readingease.twoday.net/stories/4898741/&quot;&gt;Omega Minor&lt;/a&gt;&quot; : Die britische Zeitung &quot;The Independent&quot; erkannte ihm sowohl den Preis für das beste fremdsprachige Werk als auch den Preis für die beste Übersetzung eines fremdsprachigen Werkes zu. Denn Paul Verhaeghen war nicht nur Verfasser, sondern auch der Übersetzer ins Englische. Nun fließen ihm beide Preissummen in Höhe von jeweils 5000 Britischen Pfund zu. Allerdings hat Paul Verhaeghen schon angekündigt, das Preisgeld an amerikanische Bürgerrechtsorganisationen spenden zu wollen, da ansonsten die amerikanische Steuerbehörden etwa die Hälfte der Summe erhielten. Denn Paul Verhaeghen lebt und lehrt seit einigen Jahren in den Vereinigten Staaten. Unter den Konkurrenten, gegen die sich &quot;Omega Minor&quot; hat durchsetzen können, waren auch die Übersetzungen von Daniel Kehlmanns &quot;Die Vermessung der Welt&quot; und Lars Saabye Christensens Roman &quot;Das Modell&quot;.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:creator>tinius</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://readingease.twoday.net/topics/News&quot;&gt;News&lt;/a&gt;</dc:subject>
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    <dc:date>2008-05-09T01:01:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://readingease.twoday.net/stories/4917036/">
    <title>Luigi Malerba verstorben</title>
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    <description>Mit Luigi Malerba (eigentlich : Luigi Bonardi) ist im Alter von 81 Jahren einer der international bekanntesten italienischen Autoren verstorben. 1927 in Berceto in der Nähe von Parma geboren, studierte Malerba zunächst Jura. In den fünfziger Jahren war er verantwortlicher Redakteur für das Kinomagazin &quot;Sequenze&quot;, außerdem arbeitete er als Drehbuchautor mit dem dem neorealismo zuzurechnenden  Regisseur Alberto Lattuado zusammen. In den sechziger Jahren leitete er eine Zeitlang eine Werbeagentur. 1963 debütierte Malerba mit seinen Erzählungen &quot;Die Entdeckung des Alphabets&quot;. Außerdem gehörte er zu den Mitbegründern einer Gruppe von Intellektuellen und Schriftstellern - der Gruppo 63 - zu der auch Umberto Eco gehörte. Dieser Kreis formulierte einen starken Gegensatz zur bestehenden Gesellschaft und forderte ein, tradierte literarische Formen zu überschreiben, um, wenn eine Überwindung der kapitalistischen Ordnung in der Realität unmöglich sei, deren Analogien in der Literatur auf sprachlicher und formaler Ebene vernichten. Zum Vorbild ihrer experimentellen Arbeiten nahmen sie sich den Schriftsteller Carlo Emilio Gadda, der Ähnliches bereits erfolgreich praktizierte. Eine der Grundthesen der Gruppe war, daß der Autor hinter seinem Text zurücktreten müsse und sich sein Werk allein am Objekt orientieren müsse. 1966 erschien sein Roman &quot;Die Schlange&quot;, zwei Jahre später und kurz bevor die Gruppo 63 auseinanderbrach der Roman &quot;Salto Mortale&quot;, für den Malerba mit dem Prix Médicis ausgezeichnet wurde. Malerbas Erzählstil blieb immer dem eher Experimentellen verhaftet. Er spielte mit Erzähl - und Realitätsebenen, schuf komplizierte Beziehungsgeflechte seiner Personen untereinander, um damit die verschieden interpretierbare Wirklichkeit abzubilden und bis zur Auflösung infrage zu stellen. Sein literarisches Spektrum reichte von Kinderbüchern über eher anekdotenhaft kurze Texte wie &quot;Die nachdenklichen Hühner&quot; bis hin zum historischen Roman wie etwa &quot;Das Griechische Feuer&quot; oder &quot;Die nackten Masken&quot;. Ein weiteres Merkmal vor allem der späteren Romane waren immer deutlicher werdende groteske elemente und Überzeichnungen. Thematisch setzte er sich immer wieder mit den Erscheinungen der Macht und deren Korruption auseinander. In deutscher Sprache sind noch einige der von ihm verfassten Bücher lieferbar. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:creator>tinius</dc:creator>
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    <dc:date>2008-05-09T00:03:00Z</dc:date>
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    <title>Marcel Reich - Ranicki erhält den Henri - Nannen - Preis</title>
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    <description>Am 9. Mai wird Marcel Reich - Ranicki den mit insgesamt 30.000 Euro, verteilt auf fünf Kategorien, dotierten Henri - Nannen - Preis für sein journalistisches Lebenswerk entgegennehmen können. Reich - Ranicki habe durch seine entschiedenen Kritiken, seine leidenschaftlich geführten Debatten und seinen passionierten Einsatz für die Literatur und ihre humanitäre Kraft Maßstäbe gesetzt - auch für den Qualitätsjournalismus in Deutschland, begründete der Vorsitzende der Jury und Chefredakteur des Magazins Stern Thomas Osterkorn die Vergabe. Laudatorin wird Bundeskanzlerin Angela Merkel sein. 1920 im polnischen Woclawek geboren zog er mit seiner Familie nach Berlin und machte dort das Abitur. Ein Studium blieb ihm allerdings als Jude versagt. Während seine Eltern im Konzentrationslager getötet wurden, überlebte Marcel Reich - Ranicki im Warschauer Ghetto. 1943 konnte er in den Untergrund flüchten. Nach Kriegsende wurde er Diplomat in London, später Lektor und freier Schriftsteller in Warschau. 1958 kam er nach Deutschland und befasste sich hauptsächlich mit pointierten Literaturkritiken. Von 1973 bis 1988 leitete er das Ressort Literatur der FAZ und prägte maßgeblich die literarische Landschaft, zumal seine teils scharfen Kritiken intensive Debatten in Gang setzten, etwa als er Günter Grass&apos; Roman &quot;Ein weites Feld&quot; heftigst zerriß. Einem breiten Publikum wurde er duch die Fernsehsendung &quot;Das Literarische Quartett&quot; bekannt, die neben intensiven Diskussionen über Bücher einen hohen Unterhaltungswert bot, der sich vor allem aus den Konflikten der ständigen Rezensenten untereinander und der Selbstdarstellung Reich - Ranickis herleitete. Im Alter von 87 Jahren verfaßt er immer noch Rezensionen und eine Kolumne in der FAZ. Mit der Autobiographie &quot;Mein Leben&quot; wurde er selbst schriftstellerisch aktiv. Andere Buchprojekte, bei denen er als Herausgeber fungierte, widmeten sich der Erstellung eines deutschen Kanons der Literatur.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:creator>tinius</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://readingease.twoday.net/topics/News&quot;&gt;News&lt;/a&gt;</dc:subject>
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    <title>Park Kyung Ni verstorben</title>
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    <description>Im Alter von zweiundachtzig Jahren verstarb die südkoreanische Autorin Park Kyung Ni an einem Schlaganfall. Schon ein Jahr zuvor war bei ihr Lungenkrebs diagnostiziert worden, dessen Behandlung sie aber verweigerte. Zudem litt sie an Diabetes und Bluthochdruck. Seit April hatte sie, halbseitig gelähmt, im Koma gelegen. Park wurde 1926 in Tongyeong geboren. Nach dem Besuch einer Mädchenoberschule heiratete sie 1946, verlor ihren Mann aber im Korea - Krieg. Auch ihr neugeborener Sohn verstarb kurz nach dem Ende des Krieges. Park begann ihre schriftstellerische Arbeit mit der Veröffentlichung zweier Kurzgeschichten 1955 bzw. 1956. Bekannt wurde sie später durch ihre Romane, die zum Teil auch in Deutschland veröffentlicht wurden. Zu ihren international bekanntesten Werken gehören die Roman &quot;Die Töchter des Apothekers Kim&quot; und &quot;Markt und Krieg&quot;. Ihr Opus Magnum war allerdings der 16bändige Romanzyklus &quot;Land&quot;, der die Zeit von der Jahrhundertwende bis zum Ende der japanischen Besetzung Koreas 1945 detailliert schildert. In ihm mischen sich hochliterarische und die Sprache des einfachen Volkes zu eindrucksvollen Portraits der etwa 300 Figuren. Mit der Autorin Pak Wanso war Park Kyung Ni die Grande Dame der südkoreanischen Literatur. Die in Deutschland veröffentlichten Bücher, darunter auch vier Bände von &quot;Land&quot;, sind nur noch gebraucht erhältlich. Wer weiter recherchieren möchte, sei auf unterschiedliche Schreibung des Namens hingewiesen : gefunden habe ich sowohl &quot;Park Kyung - ni&quot;, als auch &quot;Pak Kyongni&quot; oder &quot;Park Kyung Ri&quot;.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:creator>tinius</dc:creator>
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    <dc:date>2008-05-05T16:25:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://readingease.twoday.net/stories/4902774/">
    <title>Alessandro Barbero : Das schöne Leben des Edelmannes Robert Pyle und die Kriege der...</title>
    <link>http://readingease.twoday.net/stories/4902774/</link>
    <description>&lt;img src=&quot;http://static.twoday.net/readingease/images/pylebarb-jpg.jpg&quot; align=&quot;left&quot; hspace=&quot;5&quot; /&gt;Im Jahre 1806 wird man in den Vereinigten Staaten angesichts des französischen Expansionsdranges auf dem europäischen Kontinent allmählich unruhig, denn es scheint nicht ausgeschlossen, daß Napoléon Bonaparte auch Ambitionen hegt, auch amerikanisches Territorium seinem Einflußgebiet hinzuzufügen. Eilends wird ein Botschafter nach Großbritannien entsandt, um ein strategisches Bündnis zu schmieden. Allerdings braucht man auch Hintergrundinformationen vom europäischen Festland, insbesondere das Verhalten des preußischen Königs Friedrich Wihelm III. und das des russischen Zarenhofes soll erkundet werden. William Pinkney, der Botschafter am britischen Hof, wählt den aus Maryland stammenden jungen Anwalt und Genußmenschen Robert Pyle aus, die Interessen Amerikas in Berlin zu vertreten, auch wenn der Kongreß eher unwillig ist, Diplomaten in alle Welt zu entsenden. Im Frühjahr 1806 schifft Pyle sich ein und erreicht im Juli 1806 Amsterdam. Von nun an reist er mit Kutschen quer durch Deutschland, das allerdings in zahlreiche Fürstentümer geteilt ist. Über Münster, Hannover und Braunschweig reist Pyle recht mühsam nach Berlin, trifft regierende Fürsten, Generäle und andere Militärs und versucht ihre Haltung zu Frankreich und einem möglichen Krieg zu erkunden. Als Genußmensch fühlt sich Robert Pyle nicht wirklich wohl auf dieser langwierigen und anstrengenden Fahrt, zu sehr fehlen ihm Bequemlichkeit, gute Verpflegung und erotische Abenteuer. Und allzu widersprüchlich scheinen ihm die Einschätzungen seiner Gesprächspartner über die politische und militärische Situation angesichts der seit der Schlacht von Austerlitz geübten preußischen Neutralität, die das Königreich zunehmend isoliert hatte. Immerhin hatte Friedrich Wilhelm Rußland zugesichert, Napoléon nicht zu unterstützen, falls dieser gegen Rußland zu Felde ziehen würde. Schließlich in Berlin angekommen, wird Pyle am Hof akkreditiert, auch seine äußeren Lebensumstände verbessern sich wesentlich. Statt schmaler Kost und unbequemer Unterbringung kann er nun recht komfortable Verhältnisse genießen, wird in die bessere Gesellschaft aufgenommen und hat Kontakt zu Offizieren und Adligen, darunter den Prinzen Louis Ferdinand. Er besucht den literarischen Salon von Rahel Levin / Varnhagen von Ense, verkehrt in einem recht niveauvollen Bordell. Er freundet sich mit Major von Schack an und trifft auf Victoire, die er zunächst überhaupt nicht attraktiv findet, deren Verstand und Gedanken er aber alsbald zu schätzen lernt. Seine Erfahrungen mit dem preußischen Militär allerdings sind mehr als ernüchternd : vieles ist bloßer Schein, an Uniformen, Ausrüstung und Verpflegung der einfachen Soldaten wird gespart, das Exerzieren wirkt zwar beeindruckend, ist aber alles als auf den Ernstfall vorbereitend. Nur die Offiziere, die Verpflegung und Ausrüstung größtenteils selbst finanzieren müssen, stehen besser da. Die Beratungen zwischen der Armeeführung und dem Königshaus wirken unkoordiniert und unentschlossen, sodaß man im Kriegsfalle das Schlimmste erwarten könnte, zumal nicht Friedrich Wilhelm selbst, sondern der gebrochene und wenig enthusiastische Herzog von Braunschweig das Oberkommando der preußischen Armee innehaben wird. Pinkney beordert Pyle in das ehemalige polnische Staatsgebiet, das zu dieser Zeit als Ost - bzw. Westpreußen unter preußischer Herrschaft steht. Auch hier soll er die Stimmungslage erkunden, zumal gewisse Sympathien für die &quot;demokratischen&quot; Verbesserungen durch Napoléon vermutet werden können. In der Tat sind die Unterschiede in den materiellen Gegebenheiten zwischen Polen und preußischen Besatzern kaum zu übersehen. Hausen die deutschen Bauern in Häusern, gibt es für die polnische Landbevölkerung nur Katen - und Pyle muß einmal mehr auf die meisten der gewohnten Annehmlichkeiten verzichten. Bis nach Königsberg reist er und tritt erst dann die Rückreise an, als er den König auf dem Weg nach Sachsen weiß. Sachsen und Preußen sind militärisch verbündet - und dort will er sich der königlichen Entourage wieder anschließen. Mittlerweile hat Friedrich Wihlem sein Zaudern aufgegeben und den Franzosen das Ultimatum gestellt, seine Truppen umgehend aus Süddeutschland abzuziehen. Als Napoléon die Forderung ignoriert kommt es im Oktober zur Kriegserklärung. Mit seinem farbigen Diener Henry gerät Robert Pyle in die ersten Scharmützel und schließlich in die Schlacht bei Jena und Auerstedt, die in einer verheerenden Niederlage für die Preußen und Sachsen endet. Friedrich Wilhelm ist entmachtet, Preußen wird mehr oder minder zerschlagen. Pyle gerät in französische Gefangenschaft, mittellos, sein Diener getötet, und darf wegen seiner Stellung als Diplomat über Hamburg in die Vereinigten Staaten zurückreisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alessandro Barbero ist Historiker und Dozent für Mittelalterliche Geschichte, hat allerdings neben einem Buch über Karl den Großen, sich wissenschaftlich auch mit der Schlacht bei Waterloo beschäftigt und einige Romane verfaßt, von denen allerdings nur dieser ins Deutsche übersetzt worden ist. Formal angelehnt an die Lebensbeschreibungen von Giacomo Casanova oder die Reisejournale von Lawrence Sterne oder Samuel Johnson ist dieser Roman eine äußerst detaillierte Reisebeschreibung quer durch das spätere deutsche Staatsgebiet, dessen erste Vereinigungsbestrebungen ausgerechnet durch Napoléon Bonaparte mit der Schaffung eines Süddeutschen Bundes angestoßen werden. Akribisch rekonstruiert Barbero Gebäude - von den einfachsten Landgasthöfen bis zu den Fürstenresidenzen, erkundet Stimmungen und Lebensgewohnheiten bei Bauern, Soldaten, Bürgern, Adligen und Politikern, schildert Begegnungen mit Geistesgrößen wie Jean Paul oder Goethe, mit Militärs wie General von Blücher oder dem späteren Militärtheoretiker von Clausewitz, und selbst der spätere, antisemitisch geifernde, Turnvater Jahn läuft seinem Ich - Erzähler Robert Pyle über den Weg. Pyle selbst ist Hedonist, dem leiblichen Wohl, zu dem er auch seine nicht unterentwickelte Sexualität rechnet, nicht abgeneigt, überzeugter Demokrat und steht der deutschen Kleinstaaterei und dem politischen Durcheinander eher leicht überheblich gegenüber. Daß ihn die Vereinigten Staaten, die weder über ein stehendes Heer verfügen (wollen), noch von der Notwendikeit diplomatischer Beziehungen wirklich überzeugt sind, finanziell an der kurzen Leine halten, fuchst ihn allerdings denn doch. Die Stärke dieses mit dem Premio Strega ausgezeichneten Buches ist allerdings gleichzeitig seine (nicht allzu große) Schwäche : auf über siebenhundert Seiten kann die Detailfreudigkeit, das akribische Beschreiben auch der letzten Kleinigkeit ab und an recht ermüdend sein, zumal die Erwartungen an einen eher konventionellen historischen Roman schlicht nicht erfüllt werden. Wer also eine - kompakte - (Abenteuer) - Geschichte erwartet oder die Entwicklung des Protagonisten erhofft, wird eher enttäuscht. Zwar hat auch dieser Roman seinen Beginn und einen Endpunkt, der den Ausgang einer - politischen - Entwicklung beschreibt, ist aber dennoch eher - fiktives - Journal und durch die Details recht weitschweifige Lebensgeschichte : immerhin werden auf knapp siebenhundertdreißig Seiten gerade vier Monate - von Juli bis Oktober 1806 abgehandelt. Dennoch hat genau dies, zumindest für den Leser, der etwa an Casanovas &quot;Geschichte meines Lebens&quot; in etlichen Bänden Gefallen gefunden hat, seinen Reiz. Mag auch die Gesamtsicht des Autors und Historikers Barbero eher modern sein, beläßt er seine Figuren in ihrer eigenen Geschichtlichkeit, modernisiert in keinem Fall ihr Denken oder transportiert durch sie oder ihre Handlungen Allegorien auf die Gegenwart. So ist etwa auch sein Protagonist Pyle keineswegs frei von dem in Europa grassierenden und durch Jahn vehement vertretenen Antisemitismus, der auf finstere zukünftige Entwicklungen weist, doch persönliche Begegnungen - etwa mit Rahel Varnhagen - relativieren dann doch dessen Vorurteile stark. Ebenfalls äußerst positiv aufgefallen sind mir die Schilderungen der Kriegshandlungen : weder heroisch noch maschinenhaft agierend kommen seine Soldaten daher. Auf einen Angriff folgen zunächst meist kopflose Fluchtversuche, die nur mit Mühe gebändigt und in wirkliche Kampfhandlungen überführt werden können. Und das gilt für Preußen und Franzosen. Auch wenn alles Geschilderte - zwangsläufig - mehr oder weniger fiktiv ist, sobald der Autor die großen Handlungslinien von Politik und Krieg verläßt, erweckt dieses Buch einen abgenehmen Eindruck von Authentizität. Barbero beläßt die real - historischen Vorgänge, die ja eh zumeist in Paris oder London stattfinden, eher im Hintergrund, ohne sie jedoch vollkommen aus den Augen zu verlieren. Stattdessen beschäftigt er sich lustvoll mit der realen Erlebniswelt seiner Figuren, mit ihren Persönlichkeiten und Charakteristika. Mag auch Pyle nicht wirklich begeistert von Deutschland bzw. dessen Fürstentümern und Königreichen sein - der Autor Barbero ist es anscheinend allemal. Beinahe liebevoll hat er sich in diesem Roman dem Wendepunkt einer historischen Epoche und den Auswirkungen auf eine damit konfrontierte vielschichtige Gesellschaft gewidmet. Für mich war dieses Buch, das allzu lange ungelesen in meinen Regalen stand, eine interessante, informative und durchaus unterhaltende Lektüre, die allenfalls ein wenig Lesedisziplin abverlangte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Sowohl die gebundene Ausgabe als auch das Taschenbuch sind mittlerweile nur noch gebraucht erhältlich.&lt;/i&gt;</description>
    <dc:creator>tinius</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://readingease.twoday.net/topics/Italien&quot;&gt;Italien&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 tinius</dc:rights>
    <dc:date>2008-05-02T00:20:00Z</dc:date>
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    <title>Paul Verhaeghen : Omega Minor</title>
    <link>http://readingease.twoday.net/stories/4898741/</link>
    <description>&lt;img src=&quot;http://static.twoday.net/readingease/images/Verhaeghenomega.jpg&quot; align=&quot;left&quot; hspace=&quot;5&quot; /&gt;Als Post - Doktorand verschlägt es den belgischen Psychologen Paul Andermans 1995 für drei Monate an die Universität in Potsdam, wo er Erfahrungen im Forschungsgebiet der Kognitiven Psychologie sammeln soll. Doch von seinem eigentlichen Arbeitsgebiet wird er bald gründlich abgelenkt, zum einen durch das erotische Knistern zwischen ihm und einer Post - Doktorandin der Physik, Donatella, die sich mit einer - von Einstein letztlich aber ad acta gelegten - kosmologischen Weltformel und sehr plakativ mit ihrem sexuellen Verhältnis zu einem Astrophysiker, Goldfarb, beschäftigt, dann von einer streunenden Katze mit dem vielsagenden Namen Mefista, die ihn recht nachdrücklich in Beschlag zu nehmen versucht, zum anderen durch die zufällige Begegnung mit Josef de Heer, der ihn animiert, dessen Lebensgeschichte zu protokollieren. Paul trifft ihn in einem Berliner Krankenhaus, als er bei seiner ersten Fahrt von Potsdam nach Berlin von einer Gruppe Neonazis unter dem Kommando Hugos und seiner Freundin Nebula übel zusammengeschlagen wird. De Heer dagegen hatte versucht, sich angesichts seiner Unfähigkeit, die eigene Lebensgeschichte zu Papier zu bringen, selbst zu töten. Josef de Heer ist Jude, hat als Jugendlicher einige Zeit im Berliner Untergrund gelebt und als Falschspieler und Assistent eines Zauberers zur Finanzierung einer kleinen Widerstandsgruppe beigetragen, die versuchte, Menschen aus Berlin herauszuschmuggeln. Doch dann wird die Gruppe verraten, ausgerechnet von Stella, in die er in besseren Zeiten verliebt war. Stella ist selbst Jüdin und kollaboriert mit der Gestapo, um eigene Verwandte und Freunde vor dem Abtransport in die Lager zu bewahren. Zwar gelingt es Josef, die Gunst eines SS - Offiziers mit Kartentricks zu erlangen, doch ein gemeinschaftlicher Fluchtversuch mit anderen Gefangenen legt sein Schicksal unwiderruflich fest : auch er wird nach Auschwitz deportiert. Nur durch die Abkommandierung zu einem Sonderkommando, das die vergasten Juden zu den Verbrennungsöfen transportieren muß, gelingt es ihm, die Befreiung des Konzentrationslagers zu erleben. Zur selben Zeit befindet sich Paul Goldfarb, der spätere Nobelpreisträger und Astrophysiker, in den USA. Mit seinen Eltern ist er als Kind rechtzeitig vor den Nationalsozialisten dorthin emigriert. Zunächst gilt sein Interesse der Mathematik, doch beeinflußt durch seine Jugendliebe wechselt er schnell in den Bereich der Physik. Hier zeigt er ein erstaunliches Talent, das auch Hannah, seiner Angebeteten, nicht verborgen bleibt. Sie ist mittlerweile Wissenschaftlerin beim us - amerikanischen Atombombenprojekt in Los Alamos und läßt auch Goldfarb rekrutieren. Beide arbeiten nun an der Wasserstoffbombe und beginnen eine innige Liebesbeziehung. Doch Hannah ist wenig geneigt, den Vereinigten Staaten das Monopol der Nuklearwaffen zu überlassen, sondern will auch den Sowjets die Forschungsergebnisse zukommen lassen. Goldfarb spielt mit. Als Hannah allerdings bei einer nuklearen Testexplosion verstrahlt wird und mit ihrem ungeborenen Kind qualvoll stirbt, geht Paul Goldfarb noch einen Schritt weiter, wohl wissend, daß auch deutsche Wissenschaftler unter der Leitung des Physikers Heisenberg - bislang allerdings vergeblich - an der Entwicklung nuklearer Waffen arbeiten. Und dies wird Auswirkungen auf die Gegenwart - 1995 - haben : denn nach und nach wird klar, daß fast niemand der ist, der er zu sein scheint, daß es über die Jahrzehnte eine gigantische Verschwörung gibt, die die Welt grundlegend verändern wird....&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Omega Minor&quot; ist nicht nur umfangreich und komplex, sondern in gewissem Sinne monumental. So scheint es sich der Autor zur Aufgabe gemacht zu haben, das zwanzigste Jahrhundert und dessen Auswirkungen auf den Menschen zu bilanzieren, indem er die Judenvernichtung durch die Nationalsozialisten, den sich folgenlos wähnenden wissenschaftlichen Forschungsdrang und die Schrecken der atomaren Zerstörung zu Zentrum und Klammer seines Romanes macht. Sein Interesse gilt den Menschen, die auf geschichtliche Entwicklungen reagieren müssen, sich arrangieren, gedanklich wie auch im Handeln. Folgerichtig wechseln in diesem Buch Perspektiven und Erzähler ebenso wie die Zeitebenen und Orte, ohne daß ein chronologischer Aufbau zunächst Orientierung böte. Des Lesers Aufmerksamkeit ist gefordert, Handlungsebenen und verschiedene Ich - Erzähler auseinanderzuhalten, doch recht bald werden sich Zusammenhänge erschließen, die den Leser an das Buch fesseln und seine Aufmerksamkeit wachhalten werden. Allerdings macht es der Autor seinem Leser nicht allzu leicht, erst recht wenn diese bemerken müssen, daß kaum eine der Personen so ist, wie man es erwartet oder gar : die ist, für die sie sich ausgibt. Wir treffen auf eine Jüdin, die andere Juden der Vernichtung preisgibt, um eigene Verwandte und Freunde zu retten, einen jungen SS - Mann, der ein jüdisches Kind aus dem Konzentrationslager Auschwitz befreit, auf Wissenschaftler, die einerseits am Bau der Atombombe mitwirken, andererseits geheime Forschungsergebnisse an nicht nur konkurrierende Staaten weitergeben. Und dann wäre da noch Josef de Heer, der Auschwitz überlebt hat und sich vehement dagegen wehrt, der (literarischen) Ikonographie jüdischer Überlebender - von Primo Levi bis Imre Kertesz - zu entsprechen, sondern ein eigenes Leben mit Fehlern und Schuld einfordert. Nur : im Laufe des Romans wird zunehmend zweifelhafter, ob Josef de Heer überhaupt der ist, für den er sich ausgibt, ob seine Biographie nicht nur eine Collage aus den Erinnerungen anderer Überlebender darstellt. Selbst Nebula, die Freundin des Anführers der Neonazis, verfolgt durchaus eigene Ziele und ist keineswegs an der Ausbreitung rechtsextremistischen Gedankengutes interessiert. Sie sucht vielmehr den Hintermann der Neonazis und ist alsbald einer sehr gefährlichen Verschwörung auf der Spur, die während des Nazisregimes ihren Ausgang nahm und in der Gegenwart schwerwiegende Folgen haben wird. Der Roman ist doppelbödig und labyrinthisch zugleich, stellt die Gültigkeit der Geschichtsschreibung und von Biographien infrage. De Heer ist es, der (sinngemäß) konstatiert, Geschichte sei die Lüge, die Leute erzählen, um ihrer Vergangenheit einen Sinn zu geben. Man kann dieses Buch mit Recht zu den anspruchsvollen postmodernen Romanen zählen, die in der Nähe von Pynchon ode DeLillo anzusiedeln nicht verkehrt wäre. Dennoch erstickt das Buch nicht in theoretischen Gedanken - und Ideengebäuden, sondern glänzt durch erzählerische Kraft, Lebendigkeit und sogar Spannung, ohne allerdings wirkliche Unterhaltungsliteratur zu sein. Erstaunlicherweise ist eine messbare Resonanz in den deutschen Feuilletons nahezu ausgeblieben, während die vom Autor selbst besorgte Übersetzung ins Englische zum Teil mehr als freundlich rezipiert wurde. Verhaeghen, der zur Zeit das Fach Kognitive Psychologie an einer us - amerikanischen Universität lehrt, war 1995 selbst als als Post - Doktorand in Potsdam und wurde durch seinen Aufenthalt in Potsdam und seine Fahrten nach Berlin zu diesem Buch inspiriert. Historische Fakten und Örtlichkeiten sind gründlich recherchiert, Kurse und Vorleseungen über Kosmologie, die Relativitätstheorie und jiddische Literatur ergänzten die Nachforschungen und wurden sorgfältig in das Werk eingearbeitet, ohne daß der Leser überfordert würde. Dennoch ist dieser Roman höchst anspruchsvoll, der ein gutes Maß an Leseerfahrung und intellektuellem Verständnis voraussetzt, dann allerdings ebenso interessant wie spannend ist.</description>
    <dc:creator>tinius</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://readingease.twoday.net/topics/Belgien&quot;&gt;Belgien&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 tinius</dc:rights>
    <dc:date>2008-04-30T01:31:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://readingease.twoday.net/stories/4895746/">
    <title>SWR - Bestenliste Mai 2008</title>
    <link>http://readingease.twoday.net/stories/4895746/</link>
    <description>&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;1&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Silvia Bovenschen : Verschwunden&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Roman, 176 S., S.Fischer Verlag&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;2&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;William Faulkner : Licht im August&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Roman, 480 S., Rowohlt Verlag&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;3&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Marcel Beyer : Kaltenburg&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Roman, 387 S., Suhrkamp Verlag&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;4&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Friederike Mayröcker : Paloma&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Prosa, 198 S., Suhrkamp Verlag&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;5&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Günter Herburger : Der Kuss&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Gedichte, 116 S., A1 Verlag&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;6&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Deborah Eisenberg : Rache der Dinosaurier&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Erzählungen, 224 S., Carl Hanser Verlag&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;7&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Cormack McCarthy : Kein Land für alte Männer&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Roman, 288 S., Rowohlt Verlag&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;8&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Anna Seghers : Briefe 1924 - 1952&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Werkausgabe V/1&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
Briefe, 747 S., Aufbau Verlag&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;9&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Bruno Schulz : Die Zimtläden&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Erzählungen, 232 S., Carl Hanser Verlag&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;10&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Yasmina Reza : Frühmorgens, abends oder nachts&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Wahlkampftagebuch, 208 S., Carl Hanser Verlag&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Die persönliche Empfehlung&lt;/b&gt; von :&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Cornelia Geißler&lt;/b&gt; (Berlin) :&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Cecile Wajsbrot : Aus der Nacht&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Roman, 222 S., Verlagsbuchhandlung Liebeskind&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich danke dem &lt;a href=&quot;http://www.swr.de/bestenliste&quot;&gt;SWR&lt;/a&gt; für die Genehmigung zur Veröffentlichung in meinem Weblog. Das Copyright liegt beim SWR und den Juroren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:creator>tinius</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://readingease.twoday.net/topics/SWR+-+Bestenliste&quot;&gt;SWR - Bestenliste&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 tinius</dc:rights>
    <dc:date>2008-04-28T20:01:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://readingease.twoday.net/stories/4848287/">
    <title>Pulitzer - Preise vergeben</title>
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    <description>Die diesjährigen Pulitzer - Preise sind in den USA vergeben worden. Neben den wichtigen Auszeichnungen im Bereich des Journalismus wurden auch dieses Mal Preisträger im Bereich der Literatur und ds Sachbuchs bestimmt.In der Kategorie &quot;Fiction&quot; gewann Junot Diaz mit seinem Roman &quot;The Brief Wondrous Life of Oscar Wao&quot;, in dem er die Geschchte einer dominikanischen Familie von den vierziger Jahren in der Dominikanischen Republik bis zum Leben im Exil im New York der achtziger Jahre beschreibt. Der 1968 in der Dominikanischen Republik geborene und in den USA lebende Junot Diaz war bereits im März mit dem &quot;National Book Critics Circle Award&quot; für diesen Roman bedacht worden. In deutscher Sprache liegen derzeit nur Erzählungen unter dem Titel &quot;Abtauchen&quot; vor, die allerdings nur gebraucht erhältlich sind.&lt;br /&gt;
In der Kategorie &quot;Drama&quot; gewann die Autorin Tracy Letts mit ihrem Theaterstück &quot;August : Osage County&quot;, in der Kategorie &quot;Lyrik&quot; wurden sowohl der Schriftsteller Robert Hass für &quot;Time and Materials&quot; als auch Philip Schultz für &quot;Failure&quot; ausgezeichnet.&lt;br /&gt;
Der israelische Historiker Saul Friedländer gewann den Preis in der Katgorie &quot;Algemeines Sachbuch&quot; für sein umfassendes Werk über die Vernichtung der europäischen Juden &quot;The Years of Extermination&quot; (&quot;Die Jahre der Vernichtung&quot;).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:creator>tinius</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://readingease.twoday.net/topics/News&quot;&gt;News&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 tinius</dc:rights>
    <dc:date>2008-04-08T17:59:00Z</dc:date>
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    <title>Jon Krakauer : In die Wildnis</title>
    <link>http://readingease.twoday.net/stories/4834238/</link>
    <description>&lt;img src=&quot;http://static.twoday.net/readingease/images/krakauerwild.jpg&quot; align=&quot;left&quot; hspace=&quot;5&quot; /&gt;1990 beendet Christopher Johnson McCandless sein Collegestudium in Atlanta. Bevor er weiterstudiert, will er er einen seiner großen Träume verwirklichen und quer durch die Vereinigten Staaten reisen. Das endgültige Ziel jedoch ist es, eine Zeit in der Wildnis Alaskas zu verbringen. Inspiriert wurde McCandless dazu durch die Lektüre so unterschiedlicher Autoren wie Thoreau, Jack London und Lew Tolstoi, die einerseits ein rigides Wertesystem vertraten, andererseits die Einheit mit der Natur - zum Teil romantisch verklärend - propagierten und dort die Besinnung auf die eigene Persönlichkeit möglich scheinen ließen. McCandless, Sohn eines Radartechnikers und dessen zweiter Ehefrau, hatte schon früh Schwierigkeiten, sich in die Gesellschaft einzupassen, zu sehr widersprachen Armut, Rassentrennung seinen Idealen. Als er in den Semesterferien erfahren mußte, daß sein Vater zweitweise ein Doppelleben führte und mit alter wie neuer Ehefrau gleichzeitig liiert war, verschlechterte sich das Verhältnis zu seinem Vater grundlegend. Und so läßt er den Kontakt mit dem Beginn seiner Reise konsequent, wie er in vielem ist, abbrechen. Über anderthalb Jahre reist er quer duch die amerikanischen Bundesstaaten, nimmt Jobs auf Farmen oder in Fastfood - Restaurants an. Meist bewegt er sich als Anhalter durch das Land, denn den Rest seines Studiengeldes, etwa 24.000 Dollar, hat er vor dem Aufbruch verbrannt. Er trifft auf unterschiedliche Leute, Tramper, Landwirte oder einen achtzigjährigen Mann, ist dabei gesellig und verschlossen zugleich. Meist nennt er sich Alex, und er erzählt nie wirklich Persönliches von sich. Dennoch lernen ihn die meisten seiner Begleiter und Bekannten zu schätzen. Gebildet, freundlich entspricht er überhaupt nicht dem Vorurteil, das die meisten von Trampern haben. Doch ihn hält es nie wirklich lange an einem Ort, bevor er sich wieder auf den Weg macht. Im April 1992 macht er sich dann auf den Weg nach Alaska. Ausgerüstet mit einem Gewehr etlichen Kilogramm Reis, einem Schlafsack und einigen Büchern zieht er in die Wildnis. Er folgt dem Stampede Trail, überquert einen Fluß, der sich allerdings bald aufgrund der Schneeschmelze in ein reißendes Gewässer verwandeln und ihm den Rückweg versperren wird. Ein ausrangierter und in der Wildnis entsorgter Linienbus dient ihm für die kommenden Monate als Unterkunft und Basislager. Er weiß nicht, daß er so abgeschieden, wie er sich das vorstellte, gar nicht ist. In nicht allzu großer Entfernung befinden sich mehrere unbewohnte Blockhütten, noch etwas weiter entfernt trifft man auf eine Straße. Doch Christopher hat einen grundlegenden Ausrüstungsgegenstand nicht dabei : eine Landkarte des Gebietes. Es scheint, er hätte - da es keine unkarthographierten Gebiete mehr gibt - einfach auf eine Karte verzichtet. Genau das aber wird ihm zum Verhängnis. Er kann regelmäßig Tiere erjagen, aber verliert dennoch immer mehr an Gewicht, da die Anstrengungen der Pirsch mehr Kalorien kosten als durch die Nahrung wieder zugeführt werden können. Als er meint, das Ziel seiner Reise erreicht zu haben, will er den Rückweg antreten, doch der Weg über den Fluß ist nun versperrt. So richtet er sich wieder im Bus ein, jagt und ergänzt die Nahrung mit Pflanzen und Samen. Zu seinem Gewichtsverlust kommt nun anscheinend auch eine Vergiftung durch Samen einer Kartoffelart, von deren Toxität er nichts hatte wissen können, da sie nirgendwo in botanischen Schriften erwähnt wurde. Ungefähr Mitte August 1992 stirbt Christopher Johnson McCandless und wird erst Wochen später von Elchjägern aufgefunden. Offiziell ist seine Todesursache ungeklärt, Verhungern oder aber die von Krakauer aufgestellte These einer Vergiftung scheinen realistisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits 1993 hatte sich Jon Krakauer, Journalist und selbst Bergsteiger, in einem fünfseitigen Artikel für eine Zeitschrift mit dem Tod von Chris McCandless befaßt. Drei Jahre später, sei es, um an seinen Bestseller &quot;In eisige Höhen&quot; anzuknüpfen, sei es, weil er die Affinität des Falles zu seinen Themen empfand, veröffentlichte Krakauer dieses etwa zweihundertseitige Buch. Ein weiteres Motiv dürfte gewesen sein, daß er sich diesem jungen, ungestümen, aber dennoch zielgerichteten Reisenden verbunden fühlte, während ansonsten die Reaktionen eher ablehnend waren. McCandless wurde als naiv, töricht gesehen, sein Ausflug in die Wildnis als Selbstmordversuch, Hybris oder reiner Wahnsinn. Folgerichtig ist Krakauers reportageartiges Buch in weiten Teilen auch eine Verteidigungsschrift, ein Plädoyer dafür, sich mit den Motiven und der Ernsthaftigkeit des Protagonisten auseinanderzusetzen. Wenngleich &quot;In die Wildnis&quot; zum Bestseller avancierte, Leser meist willig Krakauers Argumentation folgten, scheint mir das Buch - auf hohem Niveau - gescheitert. Das liegt nicht unbedingt an einer mangelnden Fähigkeit, eine solche Unternehmung ansprechend, teils mitreißend zu beschreiben, sondern ist in der Geschichte selbst begründet. Krakauer ist in vielen Bereichen, bei der Persönlichkeit, bei den tatsächlichen Abläufen oftmals auf reine Spekulation angewiesen. Der Autor hat die ihm mögliche Arbeit geleistet : er hat Interviews mit allen Personen geführt, die Christopher McCandless auf seinem Trip getroffen haben, er hat die Örtlichkeiten besichtigt, die Tagebücher und Postkarten gelesen und im Buch wiedergegeben, die Chris an seine verschiedenen Reisebekanntschaften geschickt hat. Doch Chris war - gerade was Persönliches anging - äußerst zurückhaltend, nachgerade verschwiegen. Und so schildert die erste Hälfte des Buches McCandless&apos;s rastlose Reisen, ohne daß man allzu viel Authentisches und wirklich Lebendiges erfährt. Christopher Johnson McCandless wird schlicht nicht greifbar. Allein die herausgearbeiteten Bezüge zur Literatur lassen einen Einblick in sein Denken zu. Thoreaus &quot;Walden&quot;, Jack Londons Alaskaromane weisen einen Weg zum Verständnis des Jungen. Auch Krakauer scheint den Mangel zu erkennen und verweist auf andere Reisende in die Wildnis, schildert deren Abenteuer und Scheitern. Dennoch wirkt das Buch bis zur Hälfte mehr unruhig und zerfasert als interessant. Erst danach - in den Gesprächen mit den Eltern und der Schwester erhält Chris McCandless mehr als eine Silhouette, wird zu einer begreifbaren und nachvollziehbaren Person. Doch schon zwei Kapitel später greift Krakauer auf seine eigenen Jugenderlebnisse in Alaska zurück, schildert die Mühen einer Bergbesteigung und versucht anhand seiner eigenen Einstellung McCandless plausibel und faßbar zu machen. Dies wirkt aber gerade an dieser Stelle mehr wie rin Fremdkörper, unterbricht das eigentlich gerade erst erwachte Interesse erneut, auch wenn man die Intenbtion des Autors duchaus zu begreifen vermag. Auch der weitere - rekonstruierte - Reiseverlauf, recht konkret geschildert, bleibt in weiten Teilen Spekulation, denn bis auf längere Abschriften aus seinen Lieblingsbüchern bleibt auch das Tagebuch von Chris McCandless eher lakonisch. Manchmal schreibt er tage - oder wochenlang gar nicht, dann listet er nur seine Jagdausbeute auf. Möglicherweise hätten sich Krakauer zwei Wege geboten, dennoch ein interessantes und belastbares Buch über Chris McCandless zu schreiben : entweder in einer Art literaturwissenschaftlicher und ideengeschichtlicher Aufarbeitung oder mittels der Fiktionalisierung, die ihm erhebliche Gestaltungsräume im Zusammenhang mit der Persönlichkeit seines Protagonisten gelassen hätte. So mag es in diesem seltenen Fall sein, daß die Verfilmung durch Sean Penn interessanter ist als deren Vorlage. Ich will nicht behaupten, daß das Buch reine Zeitverschwendung wäre, denn das Thema ist und bleibt interessant, der Reportagestil ist gut lesbar und das Nachdenken über einige durch McCandless in die Gegenwart transportierten philosophischen Überlegungen nicht verkehrt, doch war ich letztlich von diesem Buch eher enttäuscht.</description>
    <dc:creator>tinius</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://readingease.twoday.net/topics/Sachbuecher&quot;&gt;Sachbuecher&lt;/a&gt;</dc:subject>
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    <dc:date>2008-04-02T23:02:00Z</dc:date>
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    <title>Hohe Verluste für den Eichborn Verlag</title>
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    <description>Der Eichborn Verlag, seit dem Jahr 2000 als einziger Verlag an der Börse notiert, mußte nach 2006 auch 2007 rote Zahlen verbuchen. Hatte man 2006 noch 2, 2 Millionen Euro Verlust verkünden müssen, ist der Fehlbetrag mit 1, 6 Millionen Euro im Jahre 2007 etwas geringer ausgefallen. Allerdings verringerte sich der Umsatz 2007 um etwas mehr als 400.000 Euro. Nachdem im Dezember der Geschäftsführer Matthias Kierzek abberufen und stattdessen Stephan Gallenkamp die Führung der Verlagsgeschäfte übernommen hatte, sollen nun ab April nicht näher bezeichnete Strukturmaßnahmen den Verlag wieder wirtschaflich machen. Dies ist bereits die zweite große Krise des Verlages, der nach seinem Börsengang etliche Firmen aufgekauft hatte, damit aber in gefährliches Fahrwasser geriet. Erst eine Kontentration auf das Kerngeschäft und damit der Wiederverkauf der Beteiligungen im Jahre 2003 hatten in den beiden Folgejahren 2004 und 2005 für schwarze Zahlen sorgen können. Derzeit wird die Aktie des Eichborn Verlag bei ca. 76 cent gehandelt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:creator>tinius</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://readingease.twoday.net/topics/News&quot;&gt;News&lt;/a&gt;</dc:subject>
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    <title>Martin Walser : Ein springender Brunnen</title>
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    <description>&lt;img src=&quot;http://static.twoday.net/readingease/images/brunnenenwals.jpg&quot; align=&quot;left&quot; hspace=&quot;5&quot; /&gt;Johann ist der jüngere Sohn einer Gastwirtsfamilie in Wasserburg am Bodensee. Martin Walser schildert dessen Entwicklung und den Fortgang der Zeitgeschichte anhand dreier, längerer Episoden. Der erste Teil des Romans ist in der Zeitspanne von 1932 bis 1933 angesiedelt. Die Weltwirtschaftskrise ist mittlerweile auch im Dorf Wasserburg in ganzer Härte zu spüren : Zwangsversteigerungen, Konkurse häufen sich. Daß Johann sich von einem Wanderphotographen zu mehreren Aufnahmen hat überreden lassen, scheint ihm im Nachhinein keine gute Idee, auch wenn es ihn ein wenig stolz macht. Er ist nämlich der einzige aus der Familie, der ein Bild von sich allein besitzen wird. Doch auch Kohlenhandlung und Gaststätte der Eltern sind hoch verschuldet, der Gerichtsvollzieher ist ein regelmäßiger Gast. Johanns Vater, Anhänger der Lehre Swedenborgs und vor allem ein heilloser Träumer, der Projekte wie eine Seidenraupenzucht oder die Haltung von Pelztieren oder gar einen ominösen Magnetisierapparat als Ausweg aus der wirtschaftlichen Misere im Kopf wälzt, ist keine wirkliche Stütze des elterlichen Betriebs. Johanns Mutter hat die Zügel fest in der Hand und sucht nach praktikableren Lösungen, sei es die Fälschung einer Unterschrift unter einer Bürgschaft oder der Beitritt zur an Einfluß gewinnenden NSDAP, wodurch die Gaststätte zum Versammlungsort der Partei wird und damit gesicherte Umsätze gewährleistet. Der Vater ist wenig begeistert, ahnt er doch, daß Hitler Krieg bedeutet. Aber sein Einfluß ist gering. Nur Johann begeistert er mit Buchstabierspielen und exotischen Wörtern, eine Prägung, die dem Kind erhalten bleibt und ihn später zum Dichter, zum Schriftsteller werden läßt. 1938 ist der Vater jedoch tot. Johann ist inzwischen elf Jahre alt. Sein bester Freund ist Adolf, der Sohn eines der örtlichen Nazi - Honoratioren. Nur am Rande nimmt Johann an den Aktivitäten der Hitlerjugend teil, erlebt mit, wie ein gleichaltriger Spielkamerad aus der Gruppe verbannt wird, weil er Jude ist. Dennoch scheint es, als agiere die Nazidiktatur eher gedämpft und zurückhaltend. Zwar agitiert der Dorfschullehrer vehement gegen die Kirche und die für Johann anstehende Erstkommunion, doch bleibt der Gottesdienstbesuch mehrheitlich eine feste dörfliche Tradition, auch wenn die führenden Parteimitglieder die Kirche nun meiden. Für Johann allerdings wird etwas anderes wichtig : ein Wanderzirkus gastiert im Dorf und hat sein Lager im weitläufigen Gelände der Gastwirtschaft aufgeschlagen. Und dort trifft er auf Anita, Zirkuskind im gleichen Alter, ebenfalls kurz vor der Erstkommunion und alsbald Ziel seiner Sehnsucht. Begeistert verfolgt er die Vorstellung, in der Anita eine der Attraktionen ist. Eine Clownsnummer jedoch, die offen politisches Kabarett und gegen die Nazis ist, hat schwerwiegende Folgen : der Dumme August wird in der Nacht von Unbekannten überfallen und krankenhausreif geprügelt. Über Täter und Motiv wird allenfalls gemunkelt, auch wenn man eigentlich nicht lange zu suchen brauchte. Dennoch will man den Gedanken, es seien Dorfbewohner gewesen, nicht wirklich aufkommen lassen. Zwischen Johann und Anita scheinen sich zarte Bande zu entspinnen, doch Johann muß erkennen, daß er einen - wohl erfolgreicheren - Nebenbuhler hat : Adolf. Allerdings zieht der Zirkus weiter, sodaß auch der nicht wirklich von Anitas Zuneigung wird profitieren können. Im dritten, abschließenden Teil des Romans treffen wir auf Johann und seine Familie im Jahre 1944. Sein älterer Bruder Josef dient beim Militär und wird noch vor Ende des Krieges in Ungarn fallen. Johann, der mittlerweile in Lindau zur Schule ging, arbeitet beim Reichsarbeitsdienst. Als er nach Wasserburg zurückkehrt, trifft er auf ein verändertes Dorf : viele Ausgebombte aus dem ganzen Deutschen Reich wurden in freie Zimmer einquartiert, die Mutter muß sich mit dem Jüngsten auf zwei Zimmer beschränken, der Gasthof ist verpachtet. Johann verliebt sich in die Schwester eines Freundes und beginnt, Gedichte zu schreiben, die er bereitwillig seiner Angebeteten schenkt. Ob sie sie wirklich liest und zu würdigen weiß, bleibt aber eher zweifelhaft. Doch für Johann wird Dichten ein notwendiger Bestandteil seines Lebens. Noch vor der Kapitulation Deutschlands muß Johann zur Reichswehr. Gegen die Plackerei und die spürbaren Demütigungen bei der Grundausbildung wappnet er sich mit pathetischen, poetischen Gedanken. Zum Kampfeinsatz kommt er jedoch nicht mehr. Mit Kameraden desertiert er kurz vor Kriegsende, gerät aber dennoch in französische Gefangenschaft. Allerdings ist auch dort sein Aufenthalt nur kurz, denn das Schreiben verschafft ihm Sympathien bei einem der Aufseher, der für seine Freilassung und einen Passierschein sorgt. Und so kehrt Johann nach Wasserburg heim. In der Gaststätte seiner Mutter sind französische Soldaten einquartiert. Lena, die Tochter des Pächters wird zu seiner Geliebten, mit der etliche lustvolle Nächte verbringt. Aber er wird auch erfahren, was ihm in seiner Kindheit verborgen geblieben war : daß es etliche Juden in Wasserburg gab, die sich so gut wie möglich versteckt hielten, da ihnen die Denunziation drohte - durch den Dorfschullehrer, der mittlerweile öffentlich in einem Schaufenster an den Pranger gestellt wurde....&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer einen Blick auf die Lebensdaten Martin Walsers wirft, wird feststellen, daß die Übereinstimmungen richtig vermuten lassen, &quot;Ein springender Brunnen&quot; sei weitgehend autobiographisch. Dennoch hat Walser diesen Roman in der dritten Person geschrieben, die Autobiographie gleichsam fiktional verbrämt. So hält der Autor seine Figur frei von der kollektiven Erinnerung an die Zeit der Nazidiktatur und kann allein deren subjektives Erleben und Erinnern in den Mittelpunkt stellen, die von Völkermord, Auschwitz und anderen Grausamkeiten nichts oder erst im Nachhinein wissen. Beinahe programmatisch ist jedem der drei erzählenden Teile ein Kapitel vorangestellt, in dem Walser über Vergangenheit und deren &quot;Verfälschung&quot; durch das im Erinnern ins Spiel kommende kollektive Gedächtnis und die dann unausweichlichen moralischen Wertungen räsoniert. Ihm geht es darum, eine durch gegenwärtiges Wissen unverfälschte Erinnerung literarisch zu erschaffen. Dies (als Programmatik) ist nicht unabhängig von der durch ihn losgetretenen Debatte über Auschwitz und dessen mediale Instrumentalisierung zu rezipieren. Dennoch hütet sich Walser vor einer Verallgemeinerung und damit der Lossprechung aller. Ihm geht es um den Lebensweg seines Protagonisten Johann. Dessen Welt oder Kosmos ist das Dorf, Wasserburg mit seinen so verschiedenartigen Bewohnern, die Gaststätte mit dem weltfremden Vater, der resoluten und pragmatischen Mutter, den wunderbar gezeichneten Angestellten, die in der Küche ein Geflecht subtiler Interaktionen geschaffen haben, in dem Hochdeutsch mit Dialekt konkurriert.    &lt;br /&gt;
Immer steht Sprache und deren Verwendung im Mittelpunkt des Romans. Dialekt gegen Hochsprache, Alltagssprache gegen die fremdartigen Wörter, die Johann unter Anleitung des Vaters zu buchstabieren lernte, die lyrische Sprache Stefan Georges oder die pathetische Nietzsches, die Johann - und damit der Autor - der Sprache der Diktatur und des Militärs  gegenüberstellt. Dementsprechend ist auch Walsers Sprache in diesem Roman melodiös, manchmal sentimental, weitgreifend oder minutiös beschreibend. Jeder Teil des Romans wirkt wie ein Bild, das bei näherer Betrachtung langsam in Bewegung zu geraten und ein eigenes Leben zu  beginnen scheint. Erzählton und Sprache geleiten den Leser in diese dörfliche Welt, in das kindliche und später jugendliche Erleben mit seinen Nöten und Freuden, aber auch in eine inzwischen vergangene Welt, die nur in der Erinnerung des Protagonisten hat weiterleben können. Das Ende des Krieges, der Einbruch des Wissens um die Dimension der Nazi - Verbrechen, aber auch die &quot;Erlösung&quot; in der sexuellen Beziehung zu Lena bedeuten folgerichtig einen Bruch - im Denken des Protagonisten, aber auch in dessen literarischer Produktion : Lyrik wird zugunsten der Prosa aufgegeben. &quot;Ein springender Brunnen&quot; - das ist Sprache einerseits, die Seele, die unverfälschte Erinnerung andererseits, der es nun nachzuspüren gilt. Martin Walsers Roman korrespondiert mit dem Künstlerroman, etwa dem &quot;Grünen Heinrich&quot; von Gottfried Keller, ebenso wie mit den autobiographischen Aufzeichnungen oder Romanen seiner gleichaltrigen jüdischen Zeitgenossen wie Imre Kertesz oder Georges - Arthur Goldschmidt. Auch wenn mir Walsers Thesen zur medialen &quot;Moralkeule Auschwitz&quot; eher unsympathisch gewesen sind, sodaß ich zunächst auch Walsers literarische Werke von mir geschoben habe, muß ich zugeben, daß ich mit &quot;Ein springender Brunnen&quot; ein ansprechendes, interessantes und vollkommen gelungenes Buch beinahe versäumt hätte.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Vertiefung des Verständnisses des Romans war &lt;a href=&quot;http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=215&quot;&gt;diese Seite&lt;/a&gt; sehr hilfreich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:creator>tinius</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://readingease.twoday.net/topics/Deutschland&quot;&gt;Deutschland&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 tinius</dc:rights>
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    <title>Ulrich Peltzer erhält den Berliner Literaturpreis der Stiftung Preußische Seehandlung</title>
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    <description>Den Berliner Literaturpreis der Stiftung Preußische Seehandlung, dotiert mit 30.000 Euro und verbunden mit der &quot;Heiner - Müller - Dozentur&quot; für Poetik an der Freien Universität Berlin, wird in diesem Jahr an den in Krefeld geborenen und in Berlin lebenden Autor Ulrich Peltzer vergeben. Anliegen des Berliner Literaturpreises ist es, Schriftsteller auszuzeichnen, die mit ihrem Werk einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der zeitgenössischen deutschsprachigen Literatur geleistet haben. der 1956 geborene Peltzer, der zunächst Philosophie und Psychologie studiert hatte, hat mit nur fünf Prosabänden ein recht schmales Werk veröffentlicht, zu dem unter anderem die Romane &quot;Stefan Martinez&quot;, &quot;Alle oder keiner&quot; und die Novelle &quot;Bryant Park&quot; gehören, wiederholt jedoch wichtige Literaturpreise erhalten. Die Jury, der unter anderem Sigrid Löffler und Gert Mattenklott angehörten, würdigte, daß Peltzer präzise beobachtete und prägnante Metropolengeschichten verfasst habe. In diesen - zuletzt erschien im Ammann Verlag der Roman &quot;Teil der Lösung&quot; - setzt er sich immer wieder mit dem Spannungsfeld medialer Realität und alltäglicher Wirklichkeitserfahrung auseinander. So erkundet er die Möglichkeiten des politischen Protests, des individuellen Widerstands in einer überwachten und durch Medien beeinflussten Welt. Seine Protagonisten sind nicht selten selbst in den Medien tätig (gewesen). Zu den bisherigen Preisträgern gehören unter anderem Ilija Trojanow, Herta Müller und Durs Grünberg. Verliehen wird der Preis im April durch den Regierenden Bürgermeister von Berlin und Ratsvorsitzenden der Stiftung Preußische Seehandlung Klaus Wowereit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
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